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Sz. 2. Titus Andronicus. 13
Die unſerm ganzen Stamm zur Schmach gereicht!— Unwuͤrd'ger Bruder! Und unwuͤrd'ge Soͤhne!— Luc. Doch woll'n wir ihn beſtatten wie ſichs ziemt: Laßt Mutius ruhn in ſeiner Bruͤder Grab.— Tit. Verraͤther, nein! Nicht hier in dieſem Grab! Fuͤnfhundert Jahre ſtand dieß Monument, Das ich mit reichem Schmuck mir neu erbaut: Hier ruh'n in Ehren tapfre Krieger nur, Und Diener Roms, kein ſchnoͤd' im Zank Erſchlagner.— Begrabt ihn wo Ihr wollt; hier weigr' ichs Euch. Warc. Mein Bruder, dieß iſt gottvergeß'ner Sinn: Fuͤr meinen Neffen Mutius ſpricht ſein Thun, Er ruh' im Grab mit ſeinen Bruͤdern. Die Soͤhne des Titus. Das ſoll zi oder alle fol⸗ gen ihm! Tit. Er ſoll? Wer war der Schurke, der ſo ſprach? Muint. Der's allenthalb behauptet, außer hier. Tit. Was? willſt du ihn beſtatten, mir zum Trotz? Warc. Nein, edler Titus, doch von dir erflehn Verzeihung deinem Mutius, und ein Grab:— Tit. Marcus, feindſelig trafſt auch du mein Haupt, Kraͤnkſt meine Ehre gleich den Knaben hier. Ihr alle habt als Feinde mich verletzt; Stoͤrt mich hinfort nicht mehr, entfernt Euch jetzt. Luc. Er iſt nicht bei ſich ſelbſt, ſo laßt uns gehn. Quint. Nicht ich, bis Mutius hier beſtattet ruht.
(Der Bruder und die Söhne knieen.)
Warc. Bruder! denn mit dem Namen fleht Natur! Quint. Vater! auch in dem Namen ruft Natur!— Tit. Schweig, wenn ich auf die Andern hoͤren ſoll! WMarc. Erhabner Held, mehr Sn mein halbes Luc. O Vater! Unſer Aller Seeb und Mark Marc. Hier in der Tugend Wohnſitz, Bruder, laß
Dem edlen Neffen mich ein Grab erflehn,
Der fuͤr die Ehr' und fuͤr Lavinien ſtarb!—
Du biſt ein Roͤmer, ſey denn kein Barbar;
Die Griechen, ausgeſoͤhnt, begruben Ajar
Der ſich entleibt: Laertes kluger Sohn
Sprach mildgeſinnt fur ſeine Todtenfeier;
Drum weigre Mutius hier den Eintritt nicht
Dem, der dein Liebling war.


