Sz. 2. Titus Andronicus. 9
Sat. Stolzer Tribun, Ehrſuͤcht'ger, ſagſt du das? Tit. Geduld, Prinz Saturnin. Sat. Nom, ſchaff mir Recht!— Patricier, zieht Eu'r Schwerdt, und ſteckts nicht ein, Bis Saturninus Kaiſer ward in Rom! Andronicus, zur Hoͤlle fahre hin, Eh du des Volkes Herzen mir entziehſt!—
Luc. Du ſtolzer Saturnin! du ſtoͤrſt das Wohl, Das Titus hochgeſinnt dir zugedacht.
Tit. Sey ruhig, Prinz, dir lenk' ich wieder zu Des Volkes Gunſt, daß ſie den Willen wandeln.
Baſſ. Andronicus, nicht ſchmeichl' ich jemals dir, Doch ehr' ich dich, und will es bis zum Tod. Staͤrkſt du mit deinen Freunden meine Macht,
Werd' ich hoͤchſt dankbar ſeyn: und Dank erſcheint Dem edlen Mann als ehrenwerther Lohn.
Tit. Ihr Roͤmer, und Ihr Volkstribunen hier, Ich bitt' um Eure Stimm' und guͤlt'ge Wohl: Schenkt ihr ſie freundlich dem Andronicus?
Warc. Dank weihend unſerm trefflichen Andronicus, Und feiernd ſeine Heimkehr hier in Rom,
Wird den das Volk annehmen, den er nennt.
Tit. Habt Dank, Tribunen. So erſuch' ich Euch Daß Ihr erwaͤhlt des Kaiſers aͤltſten Sohn,
Prinz Saturnin: deß Tugend hoff' ich, Rom Beſtrahlen wird, wie Titans Licht die Welt, Und Recht und Sitte reifen hier im Staat.
Drum, wenn Ihr waͤhlen wollt nach meinem Rath, Kroͤnt ihn, und ruft: Lang lebe Saturnin!— Marc. Mit Ruf und Beifallszeichen aller Art,
Patricier und Plebejer, gruͤßen wir Prinz Saturnin als Roms erhabnen Herrn, Und jubeln: Heil dem Kaiſer Saturnin!—
(Ein langer Trompetenſtoß, während die oben Verſammelten
herabſteigen.) Sat. Titus Andronicus, fuͤr dieſe Gunſt,
Betreffend unſte Wahl am heut'gen Tag,
Ertheil' ich dir den Dank, den du verdient,
Und will durch Thaten lohnen deine Huld.
Und jetzt zum Anfang, Titus, zu erhoͤhn
Dein ehrenwerth Geſchlecht und eignen Ruhm:
Nenn' ich Lavinia meine Kaiſerin,
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