10 Titus Andronicus. A. I.
Rom's edle Herrin, Herrin meiner Bruſt, Mir anvermaͤhlt im heil'gen Pantheon. Nun Titus, ſag, gefällt dir dieſes Wort? Tit. Es freut mich, wuͤrd'ger Fuͤrſt, und im Gemal Bin ich durch Eure Gnade hoch geehrt. Und hier, im Auge Noms, dem Saturnin, Dem Konig und Gebieter unſres Staats, Der weiten Welt Regenten, weih' ich nun Schwerdt, Siegeswagen und Gefangene; Wohl wuͤrd'ge Gaben Roms erhabnem Herrn. So nimm ſie denn als ſchuldigen Tribut, Die Nuhmstrophaͤon, zu Fuͤßen dir gelegt. Sat. Dank edler Titus, Vater meines Gluͤcks.— Wie ſtolz ich ſey auf dich und dein Geſchenk, Erfahre Rom; und wenn ich je vergaß So unbegrenzter Dienſte kleinſten Theil, Dann, Rom, vergiß die Treue gegen mich. Tit. Gu Tamora.) Dem Kaiſer, Füͤrſtin, ſeyd ihr jetzt Gefangne, Der Eures Rangs und Standes eingedenk, Euch und den Dienern mild begegnen wird.
Sat. Welch reizend Weib! Ihr der Preis nicht ehlen, Haͤtt' ich zu waͤhlen noch, ſie wuͤrd' ich waͤhlen.— Verſcheucht der Stirne Wolken, ſchoͤne Frau. Warf Krieges⸗Gluͤck auch Euer Gluͤck herab, Doch kommt Ihr nicht nach Nom zu Spott und Schmach: Und koniglich ſollt Ihr gehalten ſeyn, Traut meinem Wort, laßt nicht Melancholie Den Muth Euch dämpfen; der Euch troͤſtet, hebt Wohl hoͤher Euch als auf den Gothenthron.— Lavinia, Euch mißfaͤllt nicht, was ich ſprach? Lav. O nein, mein Fuͤrſt; dein adliches Gemuͤthe Buͤrgt mir fur deines Herzens wahre Guͤte. Sat. Dank, Jungfrau. Römer, laßt uns alſo gehn; Frei ohne Loͤſung geb' ich die Gefangnen.— Trompet' und Trommel kuͤnden meine Wahl!— Baſſ. GLavinien faſſend.) Titus vergoͤnnt! die Jungfrau nenn' ich mein! Tit. Wie Prinz? Sprecht Ihr im Ernſte dieſes Wort?


