Sz. 2. Titus Andronicus. 7
Luc. Hinweg mit ihm! Ein Feuer zuͤndet ſchnell;
Auf einem Holzſtoß laßt uns mit dem Schwerdt
Die Glieder ihm zerhau'n bis ſie verbrannt.
(Mutius, Marcus, Quintus und Lucius gehn mit Alarbus ab.) Tam. O grauſer, gottverhaßter Todtenbrauch!— Chir. War Scythien halb ſo blutig je geſinnt? Dem. Vergleiche Scythien nicht dem ſtolzen Rom!
Alarbus geht zur Ruh, wir leben noch,
Und zittern vor des Titus zorn'gem Blick.
So faßt Euch, Mutter, aber hofft zugleich,
Derſelbe Gott, der Trojas Koͤnigin
Gelegenheit zu bittrer Rache gab,
An Thraciens Wuͤthrich in dem eignen Zelt,—
Goͤnnt Tamora, der Gothenkoͤnigin,
(Wenn Gothen Gothen, Ihr die Koͤnigin!—)
Daß ſie die Blutſchuld tilgt an ihrem Feind.
(Lucius, Quintus, Marcus und Mutius kommen zurück.)
Luc. Seht, Herr und Vater, treu beſolgten wir Den roͤm'ſchen Brauch: Alarbus ward zerſtuͤckt, Sein Eingeweide naͤhrt die Opfergluth, Daß Dampf, dem Weihrauch gleich, die Luft durchwuͤrzt. Nun fehlt nur noch, die Bruͤder zu beſtatten, Und hier in Rom der laute Freundesgruß.
Tit. Alſo geſcheh' es, und Andronicus Sagt ihrem Geiſt ſein letztes Lebewohl.
(Trompetenſtoß, die Särge werden in die Gruft geſtellt.)
Schlaft meine Soͤhne hier in Fried' und Ruhm! Rom's muthigſte Vertheid'ger, ruht allhier, Geſchirmt vor Leid und Wechſel dieſer Welt! Hier lauert kein Verrath, hier ſchwillt kein Neid, Waͤchſt kein verhaßter Zwiſt; kein Sturm fuͤr Euch, Kein Laͤrm: nur Schweigen und ein ew'ger Schlaf; In Fried' und Ruhm liegt meine Soͤhne hier!— (Lavinia tritt auf.)
Lav. In Fried' und Ruhm, Held Titus, lebt noch lang!— Mein theurer Vater, fuͤr die Ehre lebt! An dieſem Grab bring ich der Thraͤnen Zoll


