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Sz. 1. Maaß fuͤr Maaß. 371
War. O Herr, Ich wuͤnſche keinen andern je, noch beſſern, Zerz. Vergeblich wunſcht Ihr, wir ſind feſt entſchieden. Wiar.(knieet.) Füi erz. Umſonſt iſt Eure Muͤh. Fort, fuͤhrt ihn hin zum Tod.— Nun, Euch!— (Zu Lucio.) Mar. O milder Fuͤrſt! hilf, ſuße Iſabella, Leih mir dein Knie, mein ganzes Leben will ich, All meine Zukunft deinem Dienſte leihn. Zerz. Ganz wider allen Sinn bedraͤngſt du ſie! Wenn ſie fuͤr dieſe That um Gnade knicte, Zerſprengte Clandio's Geiſt ſein ſteinern Bett, Und riß ſie hin in Schreckniß. War. Iſabella, O Herzens⸗Iſabella, dennoch tniet, Erhebt die Hand, ſprecht nicht, ich red' allein. Durch Fehler, ſagt man, ſind die beſten Menſchen Gebildet, werden meiſt um ſo viel beſſer, Weil ſie vorher ein wenig ſchlimm; ſo geht's Vielleicht auch meinem Gatten. Iſabella, Willſt du nicht mit mir knie'n? Zerz. Er ſtirbt fuͤr Claudio's Tod. Iſab. Huldreicher Fuͤrſt, Ich fleh' Euch, ſchaut auf dieſen Mann der Schuld, Als lebte Clandio noch. Faſt muß ich denken, Aufricht'ge Pflicht hat all ſein Thun regiert, Bis er mich ſah. Wenn es ſich ſo verhaͤlt, Laßt ihn nicht ſterben! Claudio ward ſein Recht, Weil er den Fehl beging, fuͤr den er ſtarb: Doch Angelo,— Sein Thun kam nicht dem ſuͤnd'gen Vorſatz gleich, Und muß begraben ruhn als eitler Vorſatz, Der ſtarb entſtehend.— Gedanken ſind nicht Thaten; Vorſaͤtze nur Gedanken. War. Rur Gedanken!— Zerz. Eu'r Flehn erweicht mich Fn ſteht auf; ich will's.— — Noch kommt ein neu Vergehn mir in den Sinn:— Schließer, wie kam's, daß Claudio ward enthauptet Zu ungewohnter Stunde? Schließ. Alſo ward mir's Geboten. 24*


