Teil eines Werkes 
Fünfter Theil (1831) Coriolanus
Entstehung
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370 Maaß fuͤr Maaß. A. V.

Des Bruders Tod, ich weiß, druͤckt dir das Herz, Und ſtaunen magſt du, daß ich nur verhuͤllt Geſtrebt, ihn dir zu retten, nicht vielmehr

Wich raſch hervor hob aus verborgner Macht, Statt ihn dahin zu geben. Liebreich Weſen,

Es war der ſchnelle Hergang ſeines Tod's,

Der, wie ich waͤhnte, traͤger'n Fußes käme, Was meinen Plan zerſtoͤrt. Doch ruh' er ſanft! Gluckſe'ger dort, der Todesfurcht entrafft,

Als hier in ſteter Furcht. Nimm das zum Troſt: Dieß Gluͤck ward deinem Bruder.

(Angelo, Mariane, Peter und Schließer kommen zurück.)

Iſab. Wohl, mein Fuͤrſt. gerz. Hier dieſem Neuvermaͤhlten, der uns naht,

Deß uͤpp'ge Luſternheit dich kraͤnken wollte An deiner wohlgeſchirmten Ehr' und Tugend, Moͤcht'ſt du verzeihn um Marianens willen: Doch weil er deinem Bruder ſprach den Tod, (Er, ſchuldig ſelbſt der doppelten Verletzung Geweihter Keuſchheit und gelobten Schwurs, Mit dem er dir des Bruders Rettung buͤrgte) Ruft des Geſetzes Gnade ſelber nun Vernehmlich, ja ſelbſt aus des Schuld'gen Munde: Ein Angelo fuͤr Clandio, Tod fuͤr Tod: Liebe fuͤr Liebe, bittern Haß fuͤr Haß, Gleiches mit Gleichem zahl' ich, Maaß fuͤr

Maaß. Drum Angelo, da dein Vergehn am Tage, So klar, daß ſelbſt kein Laͤugnen Huͤlfe boͤte, Sey nun verurtheilt zu demſelben Block Wo Clandio fiel, und zwar mit gleicher Haſt. Hinweg mit ihm.

War. O gnadenreicher Fuͤrſt, Ich hoff', Ihr gabt zum Spott mir nicht den Gatten? Zerz. Der Gatte ſelbſt gab Euch zum Spott den Gatten.

Nur als Beſchuͤtzung Eurer Ehre hielt ich Den Ehbund noͤthig, daß kein Vorwurf je, Weil Ihr die Seine wart, Eu'r Leben treffe Und hemme kuͤnft'ges Gluͤck. All ſeine Guͤter, Obwohl nach dem Geſetz an uns verfallen, Sind Euch als Witthum und Beſitz verliehn; Kauft damit einen beſſern Mann.

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