Sz. 1. Maaß fuͤr Maaß. 365
Dem du einſt ſchwurſt, es ſey des Anblicks werth: Sieh dieſe Hand, die durch geweihten Bund Sich feſt in deine fuͤgte; ſieh mich ſelbſt, Die dich von Iſabellen losgekauft, Und in dem Gartenhauſe dir begegnet, Als waͤr' es jene. Berz. Kennt Ihr dieſes Maͤdchen? Luc. Ja, fleiſchlich, fägt ſie, Herz. Still doch, Menſch! Luc. Schon gut!— Ang. Mein Fuͤrſt, ich laͤugn' es nicht, ich kenne ſie; Fuͤnf Jahre ſind's, da war von Heirath wohl Die Rede zwiſchen uns; doch brach ich's ab, Theils, weil das feſtgeſetzte Heirathsgut Nicht dem Vertrag entſprach; theils, und zumeiſt, Weil ich erfuhr, ſie ſchade ihrem Ruf Durch Leichtſinn. Seit der Zeit, füͤnf Jahre ſchon, Sprach ich ſie nicht, noch ſah und hoͤrt' ich ſie Bei meiner Treu und Ehre. War. Hoher Herr, Wie Licht vom Himmel kommt, vom Hauch das Wort, Wie Sinn in Wahrheit iſt, Wahrheit in Tugend; Ich bin ſein anverlobtes Weib, ſo feſt. Ein Treugeluͤbde bindet; ja mein Fuͤrſt, Erſt Dienſtag Nacht in ſeinem Gartenhaus Erkannt er mich als Weib. Wie dieß die Wahrheit, So moͤg ich ungekraͤnkt vom Knien erſtehn; Wo nicht,— auf ewig feſtgebannt hier haften Ein marmorn Monument!— Ang. Bisher hoͤrt' ich's mit Laͤcheln: Jetzt, gnaͤd'ger Furſt, laßt meinem Recht den Laufz Hier bricht mir die Geduld. Ich ſeh' es wohl, Die armen Klaͤgerinen ſind durchaus Werkzeuge nur in eines Maͤcht'gen Hand, Der ſie bewegt. Gebt Freiheit mir, mein Fuͤrſt, Die Raͤnke zu entlarven. Zerz. Ja, von Herzen; Und ſtraft ſie nur, ſo wie's Euch wohlgefallt. Einfaͤlt'ger Moͤnch, und du, boshaftes Weib, Im Bund mit der, die ging! Glaubſt du, dein Schwur, Und zwaͤng' er alle Heil'gen her vom Himmel, Sey Zengniß gegen ſolch Verdienſt und Anſehn, Das Unſer Zutraun ſtempelt? Ihr, Lord Escalus,


