Teil eines Werkes 
Fünfter Theil (1831) Coriolanus
Entstehung
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Sz. 1. Maaß fuͤr Maaß. 363

Um ſeine Reden wider Eure Hoheit, Als Ihr entfernt, haͤtt' ich ihn derb geblaͤut.

Zerz. Was, Reden wider mich? welch' ſaubrer Moͤnch! Und hier dieß arme Maͤdchen anzuhetzen Auf unſern Stellvertreter! Schafft den Moͤnch.

Lue. Noch geſtern Abend ſah ich ihn, mein Fuͤrſt, Mit ihr im Kerker;'s iſt ein frecher Burſch,

Ein ſchaͤbichter Geſell.

Pet. Gott ſchuͤtz Eu'r Hoheit; Ich war zugegen, gnaͤd'ger Fuͤrſt, und hoͤrte Eu'r fuͤrſtlich Ohr gemißbraucht. Den Regenten Beſchuldigt dieſes Maͤdchen hoͤchſt verlaͤumdriſch; Der iſt ſo frei von Suͤnd' und Schuld mit ihr, Als ſie mit einem, der noch nicht geboren.

Zerz. Nicht mindres glaubten wir. Kennt Ihr den Pater Ludwig, den ſie nannte?

Pet. Ich kenn' ihn als'nen frommen heil'gen Mann, Nicht frech, noch je in Weltliches ſich mengend, Wie dieſer Herr von ihm Erwaͤhnung that;

Und auf mein Wort, ein Mann, der nimmermehr Wie er behauptet, Eure Hoheit ſchmaͤhte.

Luc. Mein gnaͤd'ger Fuͤrſt, hoͤchſt ehrlos, glaubt mir das.

Pet. Gut, mit der Zeit rechtfertigt kr ſich wohl; Doch eben jetzo liegt er krank, mein Fuͤrſt,

An heft'gem Fieber. Nur auf ſein Geſuch

(Weil er erfuhr, daß eine Klage hier

Lord Angelo bedrohe) kam ich her,

Zu zeugen, was er weiß, in ſeinem Namen,

Was wahr, was falſch; und was mit einem Eid

Und guͤltigem Beweis er darthun wird,

Ruft man ihn auf. Zuerſt, dieß Maͤdchen hier,

(Den wuͤrd'gen Herrn Statthalter loszuſprechen,

So oͤffentlich und toͤdtlich angeklagt)

Will ich der Luͤge zeihn vor Ihren Augen,

Daß ſie es ſelbſt geſtehn ſoll.(Iſabella wird weggeführt.) Berz. Wohl! laßt hoͤren.

Belaͤchelt Ihr dieß nicht, Lord Angelo?

Ueber die Eitelkeit der armen Thoren!

Reicht Seſſel her. Kommt, Vetter Angelo;

Ich will nur Hoͤrer ſeyn; ſprecht Ihr als Richter

In Eurer eignen Sache. Iſt dieß die Zeugin?

(Mariane tritt vor.)

Sie zeig' uns ihr Geſicht, und rede dann.