Teil eines Werkes 
Fünfter Theil (1831) Coriolanus
Entstehung
Einzelbild herunterladen

362 Maaß fuͤr Maaß. A⸗F.

Zerz. Verbeſſert ſo! zur Sache denn: wie weiter? Iſab. Kurz denn, um zu verſchweigen, was nicht Noth: Wie ich ihm zuſprach, wie ich bat und kniete, Wie er mich abwies, was er drauf erwiedert, Denn ſo verging viel Zeit) beginn' ich gleich Den ſchnoͤden Schluß mit Schmerz und Schaam zu klagen. Nur fuͤr das Opfer meiner Keuſchheit ſelbſt An ſeine luͤſtern ungezaͤhmte Gier, Sprach er den Bruder frei: nach langem Kampf Siegt ſchweſterliches Mitleid uͤber Ehre, Und ich ergab mich ihm: doch nächſten Morgen, Im Uebermaaß der Bosheit, fordert er Des armen Bruders Haupt. Zerz. Traun! hoͤchſt wahrſcheinlich! Iſab. O waͤr' es ſo wahrſcheinlich, als es wahr iſt! Berz. Ha, thoͤricht Ding, du weißt nicht, was du ſprichſt, Sonſt biſt du zur Verlaͤumdung angeſtiftet Durch gift'ges Thun. Erſt ſeine hohe Tugend Iſt fleckenlos: dann waͤr' es widerſinnig, Mit ſolcher Tyrannei den Fehl zu ſtrafen, In den er ſelber fiel. Suͤndigt' er alſo, Dann waͤgt' er deinen Bruder nach ſich ſelbſt, Und nicht vertilgt' er ihn. Nein, du biſt angeſtiftet; Geſteh' es frei, und ſag', auf weſſen Nath Du dieſe Klage vorbringſt? Iſab. Iſt dieß alles? Dann, o Ihr gnadenreichen Engel droben, Staͤrkt mit Geduld mich, und zu reifer Zeit Entdeckt die Unthat, die ſich hier verhuͤllt In hoͤherm Schutz! Gott huͤt⸗ Euch ſo vor Wehe, Wie ich gekraͤnkt, geſchmaͤht hier von Euch gehe. Serz. Ich weiß, Ihr gingt wohl gern: ruft einen

Haͤſcher,

Bringt ſie in Haft. Wie! ſollt' ich's ruhig anſehn,

Daß Giſt und Laͤſt'rung treffe ſolchen Freund,

Der uns ſo nah? Gewiß! hier waltet Trug.

Wer weiß von Euerm Plan? und daß Ihr kamt? Iſab. Einer, den ich hier wuͤnſchte; Pater Ludwig. Serz. Ihr Beicht'ger wohl. Kennt jemand dieſen

Ludwig? Lue. Ich kenn' ihn, Herr: in alles mengt er ſich,

Mir iſt er widrig: ſchutzt' ihn nicht die Kutte,