356 Maaß für Maaß. A. W.
Luc. Nein, wart' noch, ich gehe mit dirz ich kann dir hubſche Geſchichten von dem Herzog erzaͤhlen.
Zerz. Ihr habt mir ſchon zu viele erzählt, wenn ſie wahr ſind; und ſind ſie's nicht, ſo wäͤre Eine Einzige ſchon zu viel⸗
Luc. Ich mußte einmal vor ihm erſcheinen, weil eine Dirne ſchwanger von mir geworden war.
Berz. Iſt Euch ſo etwas begegnet?
Luc. Nun freilich war ſie's von mir; aber ich ſchwur die Geſchichte ab; ich haͤtte ſonſt die faule Miſpel heirathen muͤſſen.
Zerz. Herr, Eure Geſellſchaft iſt mehr unterhaltend als anſtaͤndig; ſchlaft wohl.
Lur. Mein Seel, ich bringe dich noch bis an die Ecke. Wenn dir Zotengeſchichten zuwider ſind, ſo wollen wir dir nicht zu viel auftiſchen:— Ja, Moͤnch, ich bin eine Art von Klette, ich haͤnge mich an.—
Cgehn ab.)
Vierte Szene. Ein 3immer in Angelo's Hauſe, (Angelo und Escalus treten auf.)
Escalus.
Jeder Brief, den er ſchreibt, widerſpricht dem vorher⸗ gehenden.
Ang. Auf die ungleichſte und widerſinnigſte Weiſe. Seine Handlungen erſcheinen faſt wie Wahnſinn; der Him⸗ mel gebe, daß ſein Verſtand nicht gelitten habe! Und warum ihm vor dem Thor entgegenkommen, und unſre Aemter dort niederlegen?—
Esr. Ich errathe es nicht.
Ang. Und warum ſollen wir eben in der Stunde vor ſeiner Ankunft ausrufen laſſen, daß wenn Jemand uͤber Unrecht zu klagen hat, er ſein Geſuch auf offener Straße anbringen moͤge?.
Eoc. Hierfur giebt er Gruͤnde an: er will alle Klagen auf einmal abthun, und uns fuͤr die Zukunft vor Streitig⸗
*


