354 Maaß fuͤr Maaß. A. W.
Mir zu begegnen am geweihten Quell,
Zwei Stunden vor der Stadt: von dort ſodann, Durch ruhig Steigern der gewicht'gen Schalen, Verfahren wir mit Angelo.
(Der Schließer kommt.)
Schließ. Hier iſt der Kopf, ich trag' ihn ſelber hin. Zerz. So iſts am ſicherſten. Kehrt bald zuruͤck, Denn manches muß ich Euch vertraun, das ſonſt Kein Ohr vernehmen darf. Schließ. Ich will mich eilen. (Schließer ab.) Iſab.(draußen.) Friede mit Euch! Macht auf! Iſt Keiner da? Zerz. S iſt Iſabellens Ruf: ſie kommt zu hoͤren, Ob ihrem Bruder Gnade ſey gewaͤhrt. Doch bleib' ihr ſeine Rettung noch verhehlt, Daß aus Verzweiflung Himinelstroſt ihr werde, Wenn ſie's am mindſten hofft.
(Iſabella tritt auf.)
Iſab. Vergonnt, o Herr!— Serz. Seyd mir gegruͤßt, mein ſchönes, frommes
eind! Iſab. Ein lieber Gruß von ſolchem heil'gen Mund!— Hat ſchon der Bruder Freiheit vom Regenten?— Zerz. Er hat ihn, Tochter, von der Welt erloͤſt, Das abgeſchlagne Haupt ward ihm geſandt. Iſab. Nein doch! es iſt nicht ſo! Serz. Es iſt nicht anders!— Zeigt Eure Weisheit, Jungfrau, durch Ergebung. Iſab. Ich will zu ihm, ausreißen ihm die Augen!— Zerz. Er wird gewiß den Zutritt Euch verweigern. Iſab. Weh armer Claudio! Weh dir Iſabella!— Grauſame Welt! verdammter Angelo!— Serz. So ſchadet Ihr ihm nicht, noch helft Ihr Euch: Seyd ruhig dann, ſtellt Gott die Sach' anheim. Merkt was ich ſage: jede Sylbe ſollt Ihr Glaubwuͤrd'ge, züverlaͤß'ge Wahrheit fünden. Der Fuͤrſt kehrt morgen heim:— nein, weint nicht ſo! Ein Bruder unſres Ordens, und ſein Beicht'ger Gab mir die Nachricht: auch gelangte ſchon An Escalus und Angelo die Kunde: 6


