Sz.3. Maaß für Maaß. 353
(Der Schließer kommt zuruͤck.)
Zerz. Ganz unbereit Zum Leben wie zum Tod. O ſteinern Herz!— Ihm nach Gefallen, fuͤhrt ihn hin zum Block! (Grauslich und Pompejus ab.) Schließ. Nun, Herr, wie fandet Ihr den Delin⸗ quenten? Serz. Durchaus verſtockt, unfertig fuͤr den Tod: In der Verfaſſung ihn hinauszufuͤhren Waͤre verdammlich. Schließ. Hier im Kerker, Vater, Starb dieſen Morgen an dem hitz'gen Fieber Ragozyn, ein beruͤchtigter Pirat, Ein Mann von Claudio's Alter: Bart und Haare Genau von gleicher Farbe. Sagt, wie waͤrs, Wenn wir dem Moͤrder Zeit zur Buße gonnten, Und taͤuſchten den Regenten mit dem Kopf Des Ragozyn, der mehr dem Claudio gleicht?— Zerz. Das iſt ein Gluͤcksfall, den der Himmel ſendet, Verfuͤgt es augenblicks; es naht die Zeit, Die Angelo beſtimmt. Mit Puͤnktlichkeit Vollzieht den Auftrag: waͤhrend ich durch Lehre Den Rohen dort zum frommen Tod bekehre. Schließ. Das ſoll geſchehn, Ehrwuͤrd'ger, unverzuglich; Doch Bernardin muß dieſen Abend ſterben. Und wie verfaͤhrt man weiter nun mit Claudio, Und wendet die Gefahr, die mich bedroht, Wird es bekannt, daß er noch lebt? Berz. Verfuͤgt es ſo: bringt in geheime Haft Beennidin ſo wie Claudio: eh' die Sonne Zweimal in ihrem Tageslauf gegruͤßt Die untern Erdbewohner, findet Ihr Vollkommne Sicherſtellung. Schließ. Ich thu mit Freuden, wie Ihr ſagt. Zerz. So eilt, Beſorgts, und ſchickt das Haupt dem Angelo. (Schließer ab.) Nun ſchreib' ich Briefe gleich dem Angelo, (Der Schlieher bringt ſie ihm,) nach deren Inhalt Ihm Meldung wird, ich ſey der Heimath nah, Und daß ein wicht'ger Anlaß mich beſtimmt Zu Einzug. Ihn entbiet' ich


