352 Maaß fuͤr Maaß. A. IV.
Sag' ihm, er muß wach werden, und das gleich.
Pomp. Bitt' Euch, Meiſter Bernardin, werdet nur wach, bis man Euch hingerichtet hat, nachher koͤnnt Ihr weiter ſchlafen.
Grausl. Geh hinein, und hohl ihn heraus.
Pomp. Er kommt ſchon, Herr, er kommt ſchon; ich hoͤre ſein Stroh raſcheln.
(Ber nardin tritt auf.)
Grausl. Iſt das Beil auf dem Block, du?
Pomp. Fir und fertig, Herr.
Bern. Nun, Grauslich? Was habt Ihr vor?
Grausl. Im Ernſt, Freund, macht Euch dran, und Euer Gebet herunter; denn, ſeht Ihr, der Be⸗ ehl iſt da.
Bern. Ihr Schurke, ich habe die ganze Nacht durch geſoffen; es iſt mir ungelegen.
omp. Ei deſto beſſer; wenn er die ganze Nacht durch
geſoffen hat, und man haͤngt ihn den Morgen fruͤh, da hat er den andern Tag um auszuſchlafen.
(Der Herzog kommt.)
Grausl. Seht Freund, da kommt Euer Beichtvater. Meint Ihr noch, es ſey Spaß? he?
Ferz. Mein Freund, ich hoͤrte, wie bald Ihr die Welt verlaſſen muͤßt, und kam aus chriſtlicher Naͤchſten⸗ Euch zu ermahnen, zu troͤſten und mit Euch zu eten.
Bern. Pater, daraus wird nichts. Ich habe die ganze Nacht ſcharf geſoffen, und muß mehr Zeit haben mich zu beſinnen, ſonſt ſollen ſie mir das Hirn mit Keulen heraus⸗ ſchlagen. Ich thu's nicht, daß ich mich heut hinrichten laſſe; dabei bleibts.
Zerz. O Freund, Ihr muͤßt; und darum bitt“ ich Euch, Schaut vorwaͤrts auf den Weg, der Euch bevorſteht.
Bern. Ich ſchwoͤre aber, daß kein Menſch mich dazun bringen ſoll heut zu ſterben.
Berz. So hoͤrt nur!.
Bern. Nicht ein Wort! Wenn Ihr mir was zu ſagen habt, kommt in mein Gefaͤngniß, denn ich will heut kei⸗ nen Schritt herausthun.(t)
ab.


