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343 Maaß fuͤr Maaß. A. IV.
Inhalt, noch ſonſt einem Umſtand.— Guten Morgen, denn ich denke, der Tag bricht ſchon an.
(Bote geht ab.)
Schließ. Ich werde gehorchen.
Berz. Sein Gnadenbrief! Erkauft durch ſolche Suͤnden, Die den Begnad'ger ſelbſt als Frevler kuͤnden!
Da bluͤht den Laſtern ſchnell und leicht Gedeihn, Wo Macht und Hoheit ihnen Schutz verleihn: Wirkt Suͤnde Huld, wird zuviel Huld geuͤbt, Weil ſie des Frevels halb den Frevel liebt.— Nun Herr? Was ſchreibt er Euch?
Schließ. Wie geſagt, Lord Angelo, der mich vermuth⸗ lich nachlaͤſſig im Dienſt glaubt, ermuntert mich durch dieß ungewoͤhnliche Treiben. Mir ſcheint dieß ſeltſam, denn es war fruͤher nie ſeine Gewohnheit.
erz. Ich bitt' Euch, laßt doch hoͤren.
Schließ. Clieſt)„Was Ihr anch immer vom Ge⸗ „gentheil hoͤren moͤgt, laßt Clandio um vier Uhr hin⸗ „richten, und Nachmittags den Bernardin. Zu beſſerer „Verſicherung ſchickt mir Claudio's Kopf um fuͤnf. Laßt „dieß genau vollzogen werden, und ſeyd eingebenk, daß „mehr hieran liegt, als wir Euch fur jetzt mittheilen duͤrfen. „Verfehlt daher nicht, Eure Pflicht zu thun, indem Ihr „auf eigne Gefahr dafuͤr ſtehn muͤßt.“— Was ſagt Ihr dazu, Herr?—
Zerz. Wer iſt der Bernardin, der dieſen Nachmittag enthauptet werden ſoll?
Schiieß. Ein Zigeuner von Geburt, doch hier im Lande erzogen und groß geworden; er ſitzt ſchon ſeit neun Jahren gefangen.—
Berz. Wie kommt es, daß ihn der abweſende Herzog nicht entweder in Freiheit ſetzte, oder hinrichten ließ? Wie ich hoͤre, pflegte er immer ſo zu verfahren.
Schließ. Seine Freunde wirkten beſtaͤndig Aufſchub fuͤr ihn aus, und in der That ward ſein Verbrechen erſt unter Lord Angelo's Regierung unzweifelhaft erwieſen.
Berz. Iſt es jetzt dargethan?—
ſ Schließ. Ganz offenbar, und von ihm ſelbſt einge⸗ anden.
Zerz. Hat er Reue im Gefaͤngniß an den Tag gelegt? Scheint er geruͤhrt zu ſeyn?
Schließ. Ein Menſch, dem der Tod nicht fuͤrchterlicher vorkommt, als ein Weinrauſch; ſorglos, unbekuͤmmert,


