Sz. 2. Maaß fuͤr Maaß.
Verlaͤumdung hinterruͤcks: ja ſelbſt den Thron Erreicht der tuͤck'ſchen Laͤſterzunge Hohn.— Doch wer kommt hier?
(Escalus, der Schließer, die Kupplerin und Ge⸗ richtsdiener treten auf.)
Eoc. Fort, bringt ſie ins Gefaͤngniß!—
np Liebſter gnaͤdiger Herr, habt Mitleid mit mir: Euer Gnaden gilt fuͤr einen ſanftmuͤthigen Herrn; liebſter gnaͤdiger Herr!—
Esc. Doppelt und dreifach gewarnt, und immer das naͤmliche Verbrechen!— das koͤnnte die Gnade ſelbſt in Wuth bringen und zum Tyrannen machen.
Schließ. Eine Kupplerin, die es ſeit elf Jahren treibt, mit Euer Gnaden Vergunſt!—
Ruppl. Gnaͤdiger Herr, das hat ein gewiſſer Lucio mir eingeruͤhrt. Jungfer Kaͤthchen Streckling war ſchwan⸗ ger von ihm zu des Herzogs Zeit, er verſprach ihr die Ehe; ſein Kind iſt fuͤnfviertel Jahr alt auf naͤchſten Phi⸗ lippi und Jacobi; ich habe es ſelbſt aufgefuͤttert, und ſeht nun, wie er mit mir umſpringen will.
Esc. Dieß iſt ein Menſch von ſehr ſchlechter Auffuͤh⸗ rung: ruft ihn vor uns. Fort mit ihr ins Gefaͤngniß; weiter kein Wort mehr!—
(Kupplerin und Gerichtsdiener ab.) Schließer, mein Bruder Angelo laͤßt ſich nicht uͤberreden; Claudio muß morgen ſterben. Beſorgt ihm geiſtlichen Zu⸗ ſpruch, und was er zu chriſtlicher Erbauung bedarf. Wenn mein Bruder gleiches Mitleid wie ich empfaͤnde, ſo ſtaͤnde es nicht ſo um Claudio.
Schließ. Gnaͤdiger Herr, dieſer Pater iſt bel ihm geweſen, und hat ihm mit Rath beigeſtanden, dem Tode entgegen zu gehn.
Esc. Guten Abend, guter Pater!
Zerz. Gnade und Segen uͤber Euch!—
Esc. Von wannen ſeyd Ihr?
Zerz. Nicht dieſem Land gehor' ich, wo mich Zufall Fuͤr eine Zeitlang haͤlt. Ich bin ein Bruder Aus frommem Orden, uͤber See gekommen Mit wicht'gem Auftrag ſeiner Heiligkeit.


