Teil eines Werkes 
Fünfter Theil (1831) Coriolanus
Entstehung
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338 Maaß fuͤr Maaß. A II.

Berz. Liebe ſpricht mit beßrer Einſicht, und Einſiht mit mehr Liebe.

Luc. Ei was, Herr, ich weiß was ich weiß.

Zerz. Das kann ich kaum glauben, da Ihr nicht wißt was Ihr ſprecht. Aber wenn der Herzog je zuruͤckkehrt,— (wie wir alle beten, daß es geſchehn moͤge) ſo laßt mich Euch erſuchen, Euch vor ihm zu verantworten. Habt Ihr der Wahrheit gemaͤß geſprochen, ſo habt Ihr Muͤth es zu vertreten. Meine Pflicht jſt, Euch dazu aufzufordern; und deshalb, bitt' Euch, wie iſt Euer Name?

Luc. Herr, mein Name iſt Lucio; der Herzog kennt

Zerz. Er wird Euch noch beſſer kennen lernen, wenn ſo lange lebe, daß ich ihm Nachricht von Euch geben ann.

Auc. Ich fuͤrchte Euch nicht.

Berz. O, Ihr hofft, der Herzog werde nicht zuruͤck⸗ kehren, oder Ihr haltet mich fuͤr einen zu unbedeutenden Gegner. Und in der That, ich kann Euch wenig ſchaden; Ihr werdet dieß alles wieder abſchwoͤren.

Luc. Ehe will ich mich haͤngen laſſen; du irrſt dich in mir, Pater. Doch genug hievon. Kannſt du mir ſagen, ob Claudio morgen ſterben muß oder nicht?

Serz. Warum ſollte er ſterben, Herr?

Luc. Nun, weil er eine Flaſche mit einem Trichter gefuͤllt. Ich wollte, der Herzog, von dem wir reden, waͤre wieder da dieſer unvermoͤgende Machthaber wird die Pro⸗ vinz durch Enthaltſamkeit entvoͤlkern: nicht einmal die Sperlinge duͤrfen an ſeiner Dachtraufe bauen, weil ſie ver⸗ buhlt ſind. Der Herzog haͤtte gewiß, was im Dunkeln geſchah, auch im Dunkeln gelaſſen; er haͤtte es nimmer⸗ mehr ans Licht gebracht; ich wollte, er waͤre wieder da! Wahrhaftig, dieſer Claudio wird verdammt, weil er eine Schleife aufgeknuͤpft! Leb wohl, guter Pater, ich bitte dich, ſchließ mich in dein Gebet. Der Herzog, ſage ich dir, verſchmaͤht auch Fleiſch am Freitag nicht. Er iſt jetzt uͤber die Zeit hinaus, und doch ſag' ich dir, er wuͤrde eine Bettlerin ſchnäbeln, und roͤche ſie nach Schwarzbrod und Knoblauch. Sag nur, ich haͤtte dirs geſeac! 2 wohl.—

ab.

Berz. Nichts rettet Macht und Groͤße vor dem Gift Der Schmaͤhſucht; auch die reinſte Unſchuld trifft