Sz 2. Maaß fuͤr Maaß. 337
Lue. Zum Henker, iſt denn das nicht eine unbarm⸗ herzige Manier, um eines rebelliſchen Hoſenlatzes willen einem Mann das Leben zu nehmen? Haͤtte der Her⸗ zog, der jetzt abweſend iſt, das wohl je gethan? Ehe der einen haͤtte haͤngen laſſen um hundert Baſtarde, haͤtte er das Koſtgeld fuͤr ein ganzes Tauſend aus ſeiner Taſche bezahlt. Er war kein Koſtveraͤchter, er verſtand den Dienſt, und das machte ihn nachſichtig.
Zerz. Ich habe nie gehoͤrt, daß man den abweſenden Herzog eben mit Weibern in Verdacht gehabt haͤtte; er hatte dazu keinen Hang.
Luc. O Herr, da ſeyd Ihr im Irrthum!—
Serz. Unmoͤglich!
Luc. Was? der Herzog nicht? Ja doch! fragt nur Euer altes funfzigjaͤhriges Bettelweib; er pflegte ihr immer einen Ducaten in ihre Klapperbuͤchſe zu ſtecken. Der Her⸗ zog hatte ſeine Nuͤcken; er war auch gern betrunken, das glaubt mir auf mein Wort.
Serz. Ganz gewiß, Ihr thut ihm Unrecht.
Luc. Herr, ich war ſein vertrauter Freund; ein Tuck⸗ maͤuſer war der Herzog, und ich glaube ich weiß, warum er davon gegangen iſt.
Berz. Nun, ſagt mir doch, warum denn?
Luc. Nein, um Vergebung, das iſt ein Geheimniß, das man zwiſchen Zaͤhnen und Lippen verſchließen muß. Aber ſoviel kann ich Euch doch zu verſtehn geben; der groͤßte Theil ſeiner Unterthanen hielt den Herzog fuͤr einen verſtaͤndigen Mann.
6 Verſtaͤndig? Nun, das war er auch ohne rage!
Luc. Ein ſehr oberflaͤchlicher, unwiſſender, unbrauch⸗ barer Geſell!
Zerz. Entweder iſt dieß Neid, oder Narrheit von Euch, oder Irrthum, der ganze Lauf ſeines Lebens, die Art wie er das Staatsruder gefuͤhrt, wuͤrden, wenn es der Buͤrgſchaft beduͤrfte, ein beſſeres Zeugniß von ihm ab⸗ legen. Laßt ihn nur nach dem beurtheilt werden wie er ſich gezeigt hat, und er wird dem Neide ſelbſt als ein Gelehrter, ein Staatsmann und ein Soldat erſcheinen⸗ Deshalb redet Ihr ohne Einſicht; oder wenn Ihr mehr ſere habt, wird er ſehr von Eurer Bosheit ver⸗
nſtert.
Luc. Herr, ich kenne ihn, und liebe ihn.
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