Sz 4. Maaß fuͤr Maaß. 33³3
Hauptſache, nur behaltet Euch dieſe Bedingungen vort erſtlich, daß Ihr nicht lange bei ihm verweilen duͤrft; dann, daß fuͤr die Zeit alle Begaͤnſtigung der Dunkelheit und Stille ſey; und daß der Ort den Umſtaͤnden entſpreche. Geſteht er dieß zu, dann gelingt Alles. Wir bereden das gekraͤnkte Maͤdchen, ſich an Eurer Statt zur beſtimmten Verabredung einzufinden. Wenn die Znſammenkunft her⸗ nach bekannt wird, ſo kann ihn das zu einem Erſatz bewe⸗ gen; und dann wird auf dieſe Weiſe Euer Bruder gerettet, Eure Ehre bewahrt, die arme Mariane begluͤckt, und der boͤſe Statthalter entlarvt. Das Maͤdchen will ich unter⸗ richten, und zu dem Verſuch uͤberreden. Willigt Ihr ein, dieß alles auszufuͤhren, ſo ſchuͤtzt die doppelte Wohlthat dieſen Trug vor Tadel. Was dunkt Euch davon?— Iſab. Der Gedanke daran beruhigt mich ſchon, und ich hoffe, es wird zum gluͤcklichſten Erfolg gedeihen.
Zerz. Es kommt alles auf Euer Betragen an. Eilt ungeſaͤumt zu Angelo. Wenn er Euch um dieſe Nacht bittet, ſo ſagt ihm Gewaͤhrung zu. Ich gehe ſogleich nach Sanct Lucas; dort in der einſamen Huͤtte wohnt dieſe verſtoßene Mariane:— Dort ſucht mich auf; und mit Angelo macht es ab, damit die Sache ſich ſchnell entſcheide.
Iſab. Ich danke Euch fuͤr dieſen Beiſtand:— lebt wohl, ehrwuͤrdiger Vater!
(Sie gehn ab zu verſchiednen Seiten.)
Zweite Szene.
Straße vor dem Gefängniß.
(Es treten auf der Herzog, Elbogen, Pompejus und Gerichtsdiener.)
Elbogen.
Nun wahrhaftig, wenn da kein Einhalt geſchieht, und Ihr wollt mit aller Gewalt Manns- und Frauensleute wie das liebe Vieh verkaufen, ſo wird noch die ganze Welt braunen und weißen Baſtard trinken.
Zerz. O Himmel! Was haben wir hier fuͤr Zeug!—
Pomp. Mit der luſtigen Welt iſts zu Ende, ſeit ſie von zwei Wucherern dem Luſtigſten ſein Handwerk gelegt


