332 Maaß fuͤr Maaß. A. III.
er vielleicht dereinſt zuruͤckkehren, und von dieſer Sache hoͤren ſollte.
Iſab. Fahrt fort, mein Vater. Ich habe Herz, alles zu thun, was meinem Herzen nicht verwerſlich erſcheint.
Berz. Tugend iſt kuͤhn, und Guͤte ohne Furcht. Hoͤr⸗ tet Ihr nie von Marianen, der Schweſter Friedrichs, des tapfern Helden, der auf der See verungluͤckte?
Iſab. Ich hoͤrte von dem Fraͤulein, und Lob begleitete ihren Namen.
Serz. Eben die ſollte dieſer Angelo heirathen: mit dieſer war er feierlich verlobt, und die Hochzeit feſtgeſetzt: zwi⸗ ſchen der Zeit des Verloͤbniſſes aber, und dem Trauungstage ging das Schiff ihres Bruders Friedrich unter, und mit ihm das Heirathsgut der Schweſter. Nun denkt Euch, wie hart das arme Fraͤulein hiedurch getroffen ward. Sie verlor einen edeln und beruͤhmten Bruder, deſſen Liebe fuͤr ſie von jeher die zaͤrtlichſte und bruͤderlichſte geweſen; mit ihm ihr Erbtheil und den Nerv ihres Gluͤcks, ihr Hei⸗ rathsgut: mit beiden den ihr beſtimmten Braͤutigam, dieſen redlich ſcheinenden Angelo!—
Iſab. Iſt es moͤglich? Und Angelo verließ ſie wirklich? erz. Verließ ſie in ihren Thraͤnen, und trocknete nicht Eine durch ſeinen Troſt; widerrief ſein Treuwort, indem er Entdeckungen uͤber ihre verletzte Ehre vorgab; kurz, uͤberließ ſie ihrem Kummer, dem ſie noch immer um ſei⸗ netwillen ergeben iſt; und er, ein Fels gegen ihre Thraͤ⸗ nen, wird von ihnen benetzt aber nicht erweicht.—
Iſab. Welche Wohlthat im Jode, wenn er dieſes arme Maädchen aus der Welt naͤhme! Welche Ungerechtigkeit die⸗ ſes Lebens, daß es dieſen Mann leben läßt! Aber wie ſoll ihr hieraus Huͤlfe werden?
Zerz. Es iſt eine Wunde, die Ihr leicht heilen koͤnnt: und dieſe Kur rettet nicht allein Euern Bruder, ſondern ſchutzt Euch vor Schande, wenn Ihr ſie unternehmt.
Iſab. Zeigt mir an, wie, ehrwuͤrdiger Vater.
Zerz. Jenes Maͤdchen hegt noch immer ihre erſte Neigung; ſeine ungerechte Liebloſigkeit, die nach Vernunft⸗ gruͤnden ihre Zaͤrtlichkeit ausgeloͤſcht haben ſollte, hat ſie wie eine Hemmung im Strom nur heftiger und unaufhait⸗ ſamer gemacht.— Geht Ihr zu Angelo; erwidert auf ſein Begehren mit ſcheinbarem Gehorſam; bewilligt ihm die


