4 Coriolanus. Act I.
2. Bürg. Wollt Ihr beſonders auf den Cajus Mar⸗ eius los gehn.
Alle. Auf ihn zuerſt, er iſt ein wahrer Hund gegen das Volk.
2. Bürg. Bedenkt Ihr auch, welche Dienſte er dem Vaterland gethan hat?
1. Bürg. Sehr wohl! und man koͤnnte ihn auch recht gern dafuͤr loben; aber er belohnt ſich ſelbſt dadurch, daß er ſo ſtolz iſt.
2. Burg. Nein, rede nicht ſo boshaft.
1. Bürg. Ich ſage Euch; was er ruͤhmlich gethan hat, that er nur deshalb. Wenn auch zu gewiſſenhafte Men⸗ ſchen ſich begnuͤgen, zu ſagen, es war fuͤr ſein Vaterland, ſo that er's doch nur ſeiner Mutter Freude zu machen, und tuͤchtig ſtolz zu ſeyn; denn ſein Stolz iſt eben ſo groß als ſein Verdienſt.
2. Bürg. Was er an ſeiner Natur nicht aͤndern kann, das rechnet Ihr ihm fuͤr ein Laſter. Das durft Ihr we⸗ nigſtens nicht ſagen, daß er habſuͤchtig iſt.
1. Bürg. Wenn ich das auch nicht darf, werden mir doch die Anklagen nicht ausgehn. Er hat Fehler ſo uͤber⸗ lei, daß die Aufzählung ermudet.(Geſchrei hinter der Szene.) Welch Geſchrei iſt das? Die andre Seite der Stadt iſt in Aufruhr. Was ſtehn wir hier und ſchwatzen? Auf's Capitol!
Alle. Kommt! kommt!—
1. Bürg. Still! wer kommt hier?
(Menenius Agrippa tritt auf.)
2. Bürg. Der wuͤrdige Menenius Agrippa, einer, der das Volk immer geliebt hat.
1. Bürg. Der iſt noch ehrlich genug. Waͤren nur die uͤbrigen alle ſo!
Men. Was habt Ihr vor, Landsleute? wohin geht Ihr Mit Stangen, Knuͤttein? Sprecht, Re giebt's? Ich bitt'
Euch!
1. Bürg. Unſre Sache iſt dem Senat nicht unbekannt, ſie haben davon munkeln hoͤren ſeit vierzehn Tagen, was wir vorhaben, und das wollen wir ihnen nun durch Thaten zeigen. Sie ſagen, arme Klienten haben ſchlim⸗ men Athem, ſie ſollen erfahren daß wir auch ſchlimme Arme haben.
Men. Ei Leute! gute Freund' und liebe Nachbarn, Wollt Ihr Euch ſelbſt verderben?


