Teil eines Werkes 
Fünfter Theil (1831) Coriolanus
Entstehung
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S ſt gen r A t.

Erſte Szene.

(Es tritt auf ein Haufe aufrühriſcher Bürger mit Stäben, Knütteln und andern Waffen.)

1. Buͤrger.

Ehe wir irgend weiter gehn, hoͤrt mich ſprechen.

2. Bürg. Sprich! ſprich!

1. Buͤrg. Ihr Alle ſeyd entſchloſſen lieber zu ſterben als zu verhungern?

Alle Bürg. Entſchloſſen! entſchloſſen!

1. Burg. Erſtlich wißt Ihr: Cajus Marcius iſt der Hauptfeind des Volkes.

Alle Burg. Wir wiſſen's! wir wiſſen's!

1. Buͤrg. Laßt uns ihn umbringen, ſo konnen wir die Kornpreiſe ſelbſt machen. Iſt das ein Urtheilsſpruch?

Alle Bürg. Kein Geſchwaͤtz mehr daruͤber. Wir wol⸗ len's thun. Fort! fort!

2. Bürg. Noch ein Wort, meine guten Buͤrger!

1. Bürg. Wir werden fuͤr die armen Buͤrger gehalten, die Patricier fuͤr die guten. Das, wovon der Adel ſchwelgt, wuͤrde uns naͤhren. Gaͤben ſie uns nur das Ueberfluͤſſige ehe es verdirbt, ſo koͤnnten wir glauben ſie naͤhrten uns auf menſchliche Weiſe; aber ſie denken, ſo viel

ſind wir nicht werth. Der Hunger, der uns ausmergelt, der Anblick unſers Elends iſt gleichſam ein Verzeichniß, in welchem ſie ihr Wohlleben leſen. Unſer Jammer iſt ihnen Genuß. Dieß wollen wir mit unſern Spießen raͤchen, ehe wir ſelbſt Spießgerten werden. Denn das wiſſen die Goͤt⸗ ter! Ich rede ſo aus Hunger nach Brot, und nicht aus Durſt nach Rache..

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