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Anmerkungen. 353
geſetzt werden moͤchte, niemals weiter kommen. Haͤtte Shak⸗ ſpeare auch nichts, als dieſen Traum gedichtet, ſo wuͤrde er einen Platz unter den groͤßten Dichtern ſich errungen haben.
Eine Kurzſichtigkeit der engliſchen Kritik iſt es, ſo ſehr ſie einzelne Schoͤnheiten anerkennt, nicht die Vollendung, das Ein⸗ zige dieſes Werkes, zu verſtehn. Alle Commentatoren ängſtigen ſich deßhalb, die Zeit ſeiner Entſtehung ſo weit als moͤglich zu⸗ ruͤck zu ſchieben, damit der junge, unerfahrne Dichter fuͤr ſeinen ſchwachen Plan und die gehaltloſen unbeſtimmten Charaktere einige Entſchuldigung finden moͤge. Der Kenner, der den Dich⸗ ter und ſeine Sprache verſteht, muß ſich uͤberzeugen, daß dieſe Phantaſie um dieſelbe Zeit der poetiſchen Trunkenheit entſtand, die den Kaufmann von Venedig, Was Ihr wollt, Wie es Euch gefaͤllt, und Heinrich V. erzeugte. Im Jahr 1600 erſchien das Gedicht zuerſt gedruckt, und man kann annehmen, daß es auch in dieſem Jahr geſchrieben wurde; denn Mares erwaͤhnt es 1598. In dieſem Jahr 1598 vermaͤhlte ſich auch der Freund des Dich⸗ ters, Graf Southampton, mit ſeiner geliebten Miſtreß Varnon, mit welcher er ſich ſchon ſeit lange verſprochen hatte. Vielleicht war der Kern oder die erſte Skitze des Drama ein Gluck⸗ wunſch fuͤr die Neuvermaͤhlten, in Form einer ſogenannten Maske, in der Oberon, Titania und ihre Feen dem Brautpaar Gluͤck und Heil wuͤnſchten und weiſſagten. Der komiſche Gegen⸗ ſatz, die Szenen der Handwerker bildeten von ſelbſt, was man die Anti-Maske nannte, und welche Form ſpaͤterhin Ben Jon⸗ ſon unter dem Koͤnige Jakob fuͤr deſſen Hof mit aller Zier der Poeſie und des Witzes vollendete. So fuͤgten ſich dann ſpaͤter um dieſes Gelegenheitsgedicht die uͤbrigen Szenen des Schauſpiels. Auch Southampton vermaͤhlte ſich gegen den Willen der Koͤni⸗ gin mit ſeiner Braut. Eliſabeth ſcheint um die Heirath anfangs nicht gewußt zu haben; denn ſie behandelte ſie wie eine heim⸗ liche; die junge Lady Varnon war bey der Trennung von ihrem Geliebten, als dieſer in Frankreich Heinrich IV. ſah, der Gegen⸗ ſtand des Mitleids aller ihrer Freunde geweſen. Eſſex wurde durch dieſe Verbindung mit Southampton verwandt, mit wel⸗ chem er fruͤher nicht im beſten Vernehmen gelebt hatte. über Southampton(wie wir aus Shakſpeare's Sonetten lernen) ſeufzte manche Schoͤne, die ſeine Liebenswuͤrdigkeit gewonnen hatte. Wo⸗ hin man blickt, ſieht man Beziehungen, Anſpielungen, die, wenn ſie das wunderſame Gedicht auch nicht naͤher erlaͤutern, doch durch ihr halb durchſchimmerndes Verſtaͤndniß dem Leſer faſt eben ſo necken, wie die Sterblichen des Schauſpiels von dem Kobolde Puck geneckt worden.
pag. 200. Puck. Der eigentliche Name dieſes Koboldgei⸗ ſtes ſtatt Droll iſt wieder hergeſtellt worden, weil er bei den Englaͤndern ganz mythiſch und allgemein bekannt iſt. Wenn die uͤbrigen Elfen, auch Titania und Oberon, von Kindern ge⸗


