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350 Anmerkungen.
tiſche vor der Zeit des Dichters geweſen. Nur ein Jahrhundert war ſeit Richards III. Tod entſchwunden, als S. ſie zu beſchrei⸗ ben begann: ſeine Voraͤltern hatten noch am Zwieſpalt Theil genommen. Die Freude ſeiner Tage war aber nicht lange nach jenen ſchweren Zeiten geboren worden; und dieſen Augenblick zu verherrlichen, ſchrieb er dieſen Heinrich VMII. den politiſchen, vaterlaͤndiſchen Epilog zu jenen Dichtungen.— Es beweiſ't eine hoͤchſt liberale Geſinnung der Regierung, daß dieſes Schau⸗ ſpiel, in welchem ſelbſt uͤber Eliſabeth geſcherzt, und die Schwaͤ⸗ chen ihres Vaters nicht verſchwiegen wurden, oͤffentlich geſpielt werden durfte.
Immer iſt es noch nicht ausgemacht und verdient eine naͤ⸗ here Unterſuchung, ob Shakſpeare nicht uͤberhaupt der Erſte war,
der die Gegenſtaͤnde aus ſeiner vaterlaͤndiſchen Geſchichte auf die Buͤhne brachte, und ob nicht in dieſer Hinſicht ſelbſt ſeine fruͤhe⸗
ſten und damals beruͤhmteren Zeitgenoſſen ſeine Nachahmer wa⸗
ren, wie er in ſeiner Jugend wohl auch ſie in andrer Ruͤckſicht nachahmte.
pag. 107. Prologus.— Faſt alle Editoren haben in dieſem, ſo wie im Epilog, eine andere Manier erkennen wollen, als an welche uns Shakſpeare gewoͤhnt hat. Manche haben geſchloſſen, Ben Jonſon muͤßte ſie geſchrieben, das Stuͤck zur Auffuͤhrung gebracht, und in dieſem ſelbſt wohl manches geaͤn⸗ dert haben. Dieſe Meynung iſt wenigſtens voreilig; denn da wir Prolog und Epilog in der erſten Folio antreffen, ſo laͤßt ſich ſchwer begreifen, warum die Herausgeber, die alten Freunde des Dichters, dieſem fremde Verſe ſollten untergeſchoben haben, die ſogar den Anſchein haben, als ſatyriſirten ſie viele ſeiner eigenen Gedichte. Da wir nur wenige von Shakſpeare's Prologen erhalten haben, ſo iſt ſchwer zu beſtimmen, in wiefern hier ſeine Manier ihm ſelber unaͤhnlich ſeyn. Man ſieht, der Prolog ſpricht mit mehr Vertrauen und Sicherheit von dem Werke des Dich⸗ ters, als wir es in Heinrich V., oder in Trvilus wahrnehmen; er ſpricht ſogar von der unziemlichkeit der Gefechte auf der Buͤhne; das geſchieht aber gewiſſermaßen auch in dem einen Chor Heinrichs V.— Wir wiſſen, daß im Jahr 1613 dieſes Stuͤck, nachdem es vielleicht einige Jahre gelegen hatte, von neuem mit einigem Aufwande den Freunden des Theaters aufgefuͤhrt wurde. Wenn nicht ſchon am Schluß das Lob auf Jakob hinzugefugt war, ſo wurden jetzt dieſe Verſe geſchrieben, und wahrſcheinlich Manches im Stuck veraͤndert und verbeſſert.— Daß ſchon im J. 1601 und 1602 Heinrich VII. ein Lieblingsſchauſpiel der Stadt geworden war, ſehn wir daraus, daß er es wagen durfte, aller Kritik und der vorgeſchrittenen Theaterbildung, ja lei⸗ denſchaftlichen Parteyen zum Trotz, ſein allerfruͤheſtes, und, wenn man will, ſchwaͤchſtes Gedicht,„Leben und Tod Crom⸗ wells“ ganz unverandert wieder auf das Theater zu brin⸗


