Teil eines Werkes 
Dritter Theil (1830) König Richard der Dritte
Entstehung
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Anmerkungen. 349

tige Welt von Bildern und Erſcheinungen, Gedanken und Em⸗ pfindungen, Leidenſchaften und Schickſalen. Mit herber Ironie und tiefſinniger Wehmuth verhoͤhnt der Dichter in dieſem Prolog alle ſogenannte Politit, und klagt den Eigennutz, die Herrſch⸗ gier und Treuloſigkeit der Fuͤrſten an, die ſchwankende An⸗ maßung und Achſeltraͤgerey der Großen, und das Zuſammen⸗ brechen aller Leiden auf die erliegende unſchuld: eben ſo das Un⸗ genuͤgende dieſer armen, hinterliſtigen Klugheit, die Kurzſichtig⸗ keit des Deſpotismus, der das Schwerdt gegen ſich ſelber ge⸗ ſchliffen hat. Als Chorus gleichſam, der im Bewußtſeyn alles dieß ſieht und erkennt, dient ein wilder Luſtigmacher und Held, Faulconbridge, der eben ſo eigennuͤtzig, klug und ein Diener des Gluͤcks, wie die uͤbrigen, alles zu ſeinem Vortheile kehrt, und nicht minder wie jene, die er verſpottet, auch den lovyalen Pa⸗ trioten ſo heftig zu ſpielen weiß, daß er ſelbſt an ſeine Tugend glauben darf.

Kann dieſe kuͤhne, großartige Einleitung fuͤr alle Geſchichts⸗ dramen dienen, ſo tritt nun, in Richard dem Zweyten(in⸗ deſſen faſt dreyhundert Jahre verfloſſen waren) ein andrer elegiſch-prophetiſcher Prolog ein, der in einem erſt ſcheinbar unbedeutenden Zwiſt einzelner Maͤnner und Familien ſchon die ſchweren, langwierigen und blutigen Buͤrgerkriege andeutet, in welchen die großen adlichen Familien faſt in gegenſeitigem Kampfe vernichtet wurden. Ein leichtſinniger Koͤnig, deſſen edles und ſchoͤnes Gemuͤth ſich erſt im ungluͤck zeigt und aus⸗ bildet, wird von einem klugen uſurpator verdraͤngt, der ſein Gluͤck und die umſtaͤnde zu benutzen verſteht.

Dieſe Gluͤcksfälle, welche ihn erhoben haben, wiederholen ſich zu ſeinen Gunſten auch, indem er die Freunde niederſchlägt, die ihm zum Thron verhalfen. Dieſe heitre Luſt der Gegenwart ſpiegelt ſich in den beyden heroiſchen Luſtſpielen ab, deren Inhalt das Leben und der Tod Heinrichs des Vierten iſt. Bis zum Gipfel ſteigt Ruhm und Freude, die Verherrlichung des Helden und des Vaterlandes im fuͤnften Heinrich. Bieſe Gedichte ſchrieb der reiſe Mann; der Juͤngling, der ſcheinbar unerfahrne, aus ernſtem, erhaben geſtimmten Gemuͤthe, die Kriege der rothen und weißen Roſe. Am Enkel, Heinrich dem Sechſten, an der edlen, faſt heiligen Unſchuld werden die Vergehungen ſeines Großvaters heimgeſucht. Die ſiegende Partey nahrt aber ſchon in ihrem Schooße jenen dritten Richard, der auch an ihnen ſelbſt, Bruͤdern und Verwandten, alles unrecht ſtraft, das ſie gegen ihre Feinde ausgeuͤbt haben. Dieſes ungeheure Schlußgedicht, das wieder prophetiſch, mythiſch und hochpoetiſch dieſe furcht⸗ bare Zeit und das furchtbare Gemaͤhlde zu Ende fuͤhrt, laͤßt uns Hoffnung und Zutrauen zu einer beſſern Zeit faſſen, in welche hinein uns nur ein ahnender Blick vergoͤnnt iſt.

Dieſe große Erſchuͤtterung des Landes, wenn wir die we⸗ nigen finſtern Jahre der Maria abrechnen, war die letzte poli⸗