332 Viel Läͤrmen um Nichts. A. V.
Ben. Nichts als boſe Reden, und demzufolge laß mich Dich kuͤſſen.
Beatr. Boͤſe Reden ſind nur boͤſe Luft, und boͤſe Luft iſt nur boͤſer Athem, und boͤſer Athem iſt ungeſund, und alſo will ich ungekußt wieder gehn.
Ben. Du haſt das Wort aus ſeinem rechten Sinn heraus geſchreckt, ſo energiſch iſt Dein Witz. Aber ich will Dir's ehrlich erzäͤhlen. Clandio hat meine Fordrung angenommen, und ich werde jetzt bald mehr von ihm hoͤren, oder ich nenne ihn oͤffentlich eine Memme. Und nun ſage mir, in welche meinen ſchlechten Eigenſchaften haſt Du Dich zuerſt verliebt?—
Beatr. In alle auf einmal, denn ſie bilden zuſammen eine ſo wohl organiſirte Republik von Fehlern, daß ſie auch nicht einer guten Eigenſchaft geſtatten, ſich unter ſie zu miſchen. Aber um welche von meinen ſchoͤnen Qualitaͤten habt Ihr zuerſt die Liebe zu mir erdulden muͤſſen?
Ben- Die Liebe erdulden! Eine huͤbſche Phraſe! Frey⸗
lich erdulde ich die Liebe, denn wider meinen Willen muß ich Dich lieben. Beatr. Wohl gar Deinem Herzen zum Trotz? Wenn Ihr ihm um meinetwillen trotzt, will ich ihm um Euretwillen Trotz bieten, denn ich werde niemals das lieben, was mein Freund haßt.
Ben. Du und ich ſind zu vernuͤnftig, um uns friedlich um einander zu bewerben.
Beat. Das ſollte man aus dieſer Beichte nicht ſchließen: unter zwanzig vernuͤnftigen Maͤnnern wird nicht einer ſich ſelbſt loben.
Ben. Ein altes altes Sprichwort, Beatrice, das gegolten haben mag, als es noch gute Nachbarn gab: wer in un⸗ ſerm Zeitalter ſich nicht ſelbſt eine Grabſchrift aufſetzt, ehe er ſtirbt, der wird nicht laͤnger im Gedaͤchtniß leben, als die Glocke läutet und die Wittwe weint.
Beat. Uns das waͤre?
Ben. Ihr fragt noch? Nun, eine Stunde laͤuten, und eine Vierteſſtunde weinen. Deshalb iſt der beſte Ausweg fuͤr einen Verſtändigen,(wenn anders Don Wurm, ſein Gewiſ⸗ ſen, ihn nicht daran hindert), die Poſaune ſeiner eignen Tugenden zu ſeyn, wie ich's jetzt fur mich bin. Soviel uͤber mein Selbſtlob(und daß ich des Lobes werth ſey, will ich ſelbſt bezeugen); nun ſagt mir aber, wie geht es Eurer Muhme?—„


