Sz. 2. Viel Laͤrmen um Nichts. 331
Marg. Wollt Ihr mir dafuͤr auch ein Sonett zum Lobe meiner Schoͤnheit ſchreiben? Ben. In ſo hohem Styl, Margarethe, daß kein jetzt lebender, noch ſo Verwegner ſich dran wagen ſoll, denn in Wahrheit, das verdienſt Du.
Warg. Daß keiner ſich an meine Schoͤnheit wagen ſoll?
Ben. Dein Witz ſchnappt ſo raſch wie eines Windſpiels Maul, er faͤngt auf.
Warg. Und Eurer trifft ſo ſtumpf wie eines Fechters
Rappier, er ſtoͤßt und verwundet nicht.
Ben. Lauter Galanterie, Margarethe, er will kein Frauenzimmer verwunden. Und nun bitte ich Dich, rufe mir Beatrice, ich ſtrecke die Waffen vor Dir.
MWarg. Nun, ich will ſie rufen, ich denke, ſie hat ihre Fuͤße bey der Hand.
Ben. Wenn das iſt, ſo hoffe ich, kommt ſie.
(ſingt.)
Gott Amor droben
Kennt meinen Sinn,
Und weiß aus vielen Proben,
Wie ſchwach ich bin.—— Ich meine im Singen; aber in der Liebe„. Leander, der treffliche Schwimmer, Troilus, der den erſten Panda⸗ rus in Requiſition ſetzte, und ein ganzes Buch voll von dieſen Liebesrittern, deren Namen jetzt ſo glatt in der ebnen Bahn der fuͤnffuͤßigen Jamben dahin gleiten, alle dieſe waren nie ſo ernſtlich uͤber und uͤber in Liebe verſenkt, als mein armes Ich: aber wahrhaftig, ich kann's nicht in Reimen beweiſen: ich hab's verſucht; ich finde keinen andern
Reim auf Maͤdchen als„ Schaͤfchen, ein zu unſchuldiger
Reim: auf Zorn, als Horn, ein harter Reim; auf Ohr,
Thor, ein alberner Reim: ſehr verfaͤngliche Endungen; nein,
ich bin einmal nicht unter einem reimenden Planeten ge⸗
boren, ich weiß auch nicht in Feyertagsworten zu werben. (Beatrice kommt.)
Schoͤnſte Beatrice, kamſt Du wirklich, weil ich Dich rief?
Beatr. Ja, Signor, und ich werde gehn, wenn Ihr
mir's ſagt.
Ben. O, Ihr bleibt alſo bis dahin?
Beatr. Dahin habt Ihr jetzt eben geſagt, alſo lebt nun wohl. Doch eh' ich gehe, ſagt mir das, weshalb ich kam; laßt mich hoͤren, was zwiſchen Euch und Claudio vorgefallen iſt.


