Teil eines Werkes 
Dritter Theil (1830) König Richard der Dritte
Entstehung
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16 Koͤnig Richard A. I.

Daß nicht ſein redlich Herz mißhandelt wuͤrde

Von ſeidnen, ſchlauen, ſchmeichleriſchen Gecken? Grey. Mit wem in dieſem Kreis ſpricht euer Gnaden? Gloſt. Mit dir, der weder Tugend hat, noch Gnade.

Wann kraͤnkt' ich dich? wann that ich dir zu nah?

Und dir? und dir? Wann einem eurer Rotte?

Die Peſt euch allen! Unſer gnaͤd'ger Fuͤrſt

Den Gott erhalte, beſſer als ihr wuͤnſcht!

Kann kaum ein Athemholen ruhig ſeyn,

Daß ihr ihn nicht mit wuͤſten Klagen ſtoͤrt. Eliſ. Bruder von Gloſter, ihr mißnehmt die Sache.

Der Koͤnig hat, auf eignen hoͤchſten Antrieb,

Und nicht bewogen durch ein fremd Geſuch,

Vielleicht vermuthend enren innern Haß,

Der ſich in enrem aͤußern Thun verraͤth,

Auf meine Kinder, Bruͤder und mich ſelbſt,

Zu euch geſandt, damit er ſo erfahre

Die Urſach eures Grolls, und weg ſie ſchaffe.

Gloſt. Ich weiß es nicht, die Welt iſt ſo verderbt,

Zaunkoͤn'ge hauſen, wo's kein Adler wagt. 1

Seit jeder Hans zum Edelmanne ward,

So wurde mancher edle Mann zum Hans. Eliſ. Schon gut! Su kennt die Meynung, Bruder

loſter:

Ihr neidet mein und meiner Freunde Gluͤck.

Gott gebe, daß wir nie euch noͤthig haben! Gloſt. Gott giebt indeß, daß wir euch noͤthig haben;

Denn unſer Bruder iſt durch euch verhaftet,

Ich ſelbſt in Ungnad', und der Adel Preis

Der Schmach gegeben, da man hohe Poſten

Taͤglich verleiht, mit Ehren die zu kroͤnen,

Die geſtern keine Kron' im Beutel hatten. Eliſ. Bey dem, der mich zu banger Hoͤh' erhob,

Von dem zufriednen Loos, das ich genoß!

Ich reizte niemals Seine Majeſtaͤt

Wider den Herzog Clarence, war vielmehr

Ein Anwald, welcher eifrig fuͤr ihn ſprach.

Mylord, ihr thut mir ſchmaͤhlich Unrecht an,

Da ihr mich falſch in ſolchen Argwohn bringt.

Gloſt. Ihr koͤnnt auch laͤugnen, daß ihr Schuld gehabt

An Mylord Haſtings neulichem Verhaft. Riv. Sie kann's, Mylord; denn

Gloſt. Sie kann's, Lord Rivers? Ey, wer weiß das nicht?

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