Teil eines Werkes 
Dritter Theil (1830) König Richard der Dritte
Entstehung
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14 Koͤnig Richard A. I.

Solch einen holden liebenswuͤrd'gen Herrn, In der Verſchwendung der Natuͤr gebildet, ung, tapfer, weiſ', und ſicher koniglich, Hat nicht die weite Welt mehr aufzuweiſen: Und will ſie doch ihr Aug' auf mich erniedern, Der dieſes Prinzen goldne Bluͤthe brach, Und ſie verwitwet' im betruͤbten Bett? Auf mich, der nicht dem halben Eduard gleich kommt? Auf mich, der hinkt und mißgeſchaffen iſt? Mein Herzogthum fuͤr einen Bettler-Pfennig, Ich irre mich in mir die ganze Zeit: wahr ich lebe, kann ich's gleich nicht finden, Sie find't, ich ſey ein wunderhuͤbſcher Mann. Ich will auf einen Spiegel was verwenden, Und ein paar Dutzend Schneider unterhalten, Um Trachten auszuſinnen, die mir ſtehn. Da ich bey mir in Gunſt gekommen bin, So will ich's auch mich etwas koſten laſſen. Doch ſchaff' ich den Geſellen erſt ins Grab, Und kehre jammernd dann zur Liebſten um. Komm, holde Sonn', als Spiegel mir zu Statten, Und zeige, wenn ich geh', mir meinen Schatten.(ab.)

Dritte Szene. Eben daſelbſt. Ein Zimmer im Palaſt.

(Foͤnigin Eliſabeth, Lord Rivers und Lord Grey treten auf.)

Rivers. Seyd ruhig, Fuͤrſtin: bald wird Seine Majeſtaͤt Sich wieder im erwuͤnſchten Wohlſeyn finden. Grepy. Es macht ihn ſchlimmer, daß ihr's uͤbel tragt: Um Gottes willen alſo, ſeyd getroſt, Und muntert ihn mit frohen Worten auf. Eliſ. Was wuͤrde mir begegnen, waͤr' er todt? Grey. Kein ander Leid, als ſolches Herrn Verluſt. Eliſ. Solch eines Herrn Verluſt ſchließt jedes ein. Grey. Der Himmel ſchenkt' euch einen wackern Sohn, Wenn er dahin iſt, Troͤſter euch zu ſeyn.

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