Teil eines Werkes 
Dritter Theil (1830) König Richard der Dritte
Entstehung
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12 Koͤnig Richard Ak

Das that dein Reiz, und macht' es blind vom Weinen.

Ich flehte niemals weder Freund noch Feind,

Nie lernte meine Zunge Schmeichel-Worte:

Doch nun dein Reiz mir iſt geſetzt zum Preis,

Da ſleht mein ſtolzes Herz, und lenkt die Zunge. Sie ſieht ihn veraͤchtlich an.)

Nein, lehr' nicht deine Lippen ſolchen Hohn:

Zum Kuß geſchaffen, Herrin, ſind ſie ja.

Kann nicht verzeihn dein rachbegierig Herz,

So biet' ich, ſieh! dieß ſcharfgeſpitzte Schwert;

Birg's, wenn du willſt, in dieſer treuen Bruſt,

Und laß die Seel' heraus, die dich vergoͤttert:

Ich lege ſie dem Todesſtreiche bloß,

Und bitt', in Demuth knieend, um den Tod.

Er entbloͤßt ſeine Bruſt, ſie zielt mit dem Degen nach ihm.) Nein, zoͤgre nicht: ich ſchlug ja Koͤnig Heinrich, Doch deine Schoͤnheit reizte mich dazu. Nur zu! Denn ich erſtach den jungen Ednard:

(Sie zielt wieder nach ſeiner Bruſt.) Jedoch dein himmliſch Antlitz trieb mich an. Sie laͤßt den Degen fallen.) Nimm auf den Degen, oder nimm mich auf. Anna. Steh, Heuchler, auf! Wuͤnſch' ich ſchon deinen d

od, So will ich doch nicht ſein Vollſtrecker ſeyn. Gloſt. So heiß' mich ſelbſt mich toͤdten, und ich will's. Anna. Ich that es ſchon. Gloſt. Das war in deiner Wuth. Sag's noch einmal, und gleich ſoll dieſe Hand, Die deine Lieb' aus Lieb' erſchlug zu dir, Weit treuere Liebe dir zu Lieb' erſchlagen; Du wirſt an beider Tod mitſchuldig ſeyn. Anna. Kennt' ich doch nur dein Herz! Gloſt. Auf meiner Zunge wohnt's. Anna. Vielleicht ſind beyde falſch. Gloſt. Dann meynt' es niemand treu. Anna. Nun wohl, ſteckt ein das Schwert. Gloſt. Gewaͤhrſt du Frieden mir? Anna. Das ſollt ihr kuͤnftig ſehn. Gloſt. Darf ich in Hoffnung leben? Anna. Ich hoffe, jeder thut's. Gloſt. Tragt dieſen Ring von mir. Anna. Annehmen iſt nicht geben.(Sie ſteckt den Ring an.)