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Sz. 2. der Dritte. 11
Ihr thaͤtet ihm kein Leid, ſtand' ich dabey.
Wie alle Welt ſich an der Sonne labt,
So ich an ihm: er iſt mein Tag, mein Leben. Anna. Nacht ſchwaͤrze deinen Tag und Tod dein Leben. Gloſt. Fluch', hold i dir ſelbſt nicht: du biſt
eides. Anna. Ich wollt', ich waͤr's, um mich an dir zu raͤchen. Gloſt. Es iſt ein Handel wider die Natur,
Dich raͤchen an dem Manne, der dich liebt.
Anna. Es iſt ein Handel nach Vernunft und Recht,
Mich räͤchen an dein Moͤrder meines Gatten.
Gloſt. Der dich beraubte, Herrin, deines Gatten,
Thats, dir zu ſchaffen einen beſſern Gatten.
Anna. Ein beßrer athmet auf der Erde nicht. Gloſt. Es lebt wer, der euch beſſer liebt als er. Anna. Nenn' ihn. Gloſt. Plantagenet. . Anna. So hieß ja er. Gloſt. Derſelbe Name, doch bey beßrer Art. Anna. Wo iſt er? Gloſt. Hier.(Sie ſpeyt nach ihm.) Warum ſpeyſt du mich an? Anna. Wäͤr' es doch todtlich Gift, um deinethalb! Gloſt. Niemals kam Gift aus ſolchem ſuͤßen Ort. Anna. Riemals hing Gift an einem ſchnoͤdern Molch.
Aus meinen Angen fort! dn ſteckſt ſie an.
Gloſt. Dein Auge, Herrin, hat meins angeſteckt. Anng. O waͤr's ein Baſilisk, dich todt zu blitzen! Gloſt. Ich wollt' es ſelbſt, ſo ſtuͤrb' ich auf einmal,
Denn jetzo giebt es mir lebend'gen Tod.
Dein Aug' erpreßte meinen ſalze Thraͤnen,
Beſchaͤmt' ihr Licht mit kind ſcher Tropfen Fuͤlle,
Die Augen, nie benetzt von Mitleids-Thraͤnen:
Nicht als mein Vater York und Eduard weinten
Bei Rutlands bangem Jammer, da ſein Schwert
Der ſchwarze Clifford zuckte wider ihn;
Noch als dein tapfrer Vater wie ein Kind
Klaͤglich erzaͤhlte meines Vaters Tod,
Und zehnmal inne hielt zu ſchluchzen, weinen,
Daß, wer dabey ſtand, naß die Wangen hatte
Wie Laub im Regen: in der traur'gen Zeit
Verwarf mein maͤnnlich Ange niedre Thraͤnen,
Und was dieß Leid ihm nicht entſaugen konnte,


