Teil eines Werkes 
Dritter Theil (1830) König Richard der Dritte
Entstehung
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Sz. 2. der Dritte. 9

Gloſt. Sey chriſtlich, ſuße Heil'ge! fluche nicht! Anna. Um Gottes Willen, ſchnoͤder Teufel, fort, Und ſtoͤr' uns ferner nicht! Du machteſt ja Zu deiner Hoͤlle die begluckte Erde, Erfullt mit Fluchgeſchrey und tiefein Weh. Wenn deine grimm'gen Thaten dich ergotzen, Sieh dieſe Probe deiner Metzgerey'n. Ihr Herrn, ſeht, ſeht! des todten Heinrichs Wunden Heffnen den ſtarren Mund, und bluten friſch. Erroͤthe, Klumpe ſchnoͤder Mißgeſtalt! Denn deine Gegenwart haucht dieſes Blut Aus Adern, kalt und leer, wo kein Blut wohnt; Ja deine That, unmenſchlich, unnatuͤrlich, Auft dieſe Flut hervor, ſo unnatuͤrlich. Du ſchufſt dieß Blut, Gott! raͤche ſeinen Tod; Du trinkſt es, Erde: raͤche ſeinen Tod! Laß, Himmel, deinen Blitz den Moͤrder ſchlagen! Gaͤhn', Erde, weit, und ſchling' ihn lebend ein, Wie jetzo dieſes guten Koͤnigs Blut, Den ſein der Hoͤll ergebner Arm gewuͤrgt! Gloſt. Herrin, ihr kennt der Liebe Vorſchrift nicht, Mit Gutem Boͤſes, Fluch mit Segen lohnen. Anna. Bube, du kennſt kein gottlich, menſchlich Recht; Das wild'ſte Thier kennt doch des Mitleids Regung. Gloſt. Ich kenne keins, und bin daher kein Thier. Anna. O Wunder, wenn ein Teufel Wahrheit ſpricht! Sloſt. Mehr Wunder, wenn ein Engel zornig iſt! Geruhe, goͤttlich Urbild eines Weibes, Von der vermeinten Schuld mir zu erlauben Gelegentlich bey dir mich zu befreyn. Anna. Geruhe, gift'ger Abſchaum eines Manns, Fuͤr die bekannte Schuld mir zu erlauben Gelegentlich zu fluchen dir Verfluchtem. Gloſt. Du, ſchoͤner als ein Mund dich nennen kann! Verleih geduld'ge Friſt, mich zu entſchuld'gen. Anna. Du, ſchnoͤder als ein Herz dich denken kann! Fuͤr dich gilt kein Entſchuld'gen, als dich haͤngen. loſt. Verzweifelnd ſo, verklagt' ich ja mich ſelbſt. Anna. Und im Verzweifeln waͤreſt du entſchuldigt, Durch Uebung wuͤrd'ger Rache an dir ſelbſt, Der du unwuͤrd'gen Mord an Andern uͤbteſt. Gloſt. Setz, ich erſchlug ſie nicht.