8 Koͤnig Richard A.I.
Von jener Hand, die dieſe Wunden ſchlug. In dieſe Fenſter, die ſich aufgethan, Dein Leben zu entlaſſen, traͤufl' ich, ſieh! Huͤlfloſen Balſam meiner armen Augen. Verflucht die Hand, die dieſe Riſſe machte! Verflucht das Herz, das Herz hatt', es zu thun! Verflucht das Blut, das dieſes Blut entüeß! Sel Schickſal treffe den Elenden, er elend uns gemacht durch deinen Tod, Als ich kann wuͤnſchen Nattern, Spinnen, Kroͤten Und allem giftigen Gewuͤrm, das lebt. Hat er ein Kind je, ſo ſey's mißgebohren, Verwahrloſt und zu fruͤh ans Licht gebracht, Deß graͤulich unnatuͤrliche Geſtalt Den Blick der hoffnungsvollen Mutter ſchrecke; Und das ſey Erbe ſeines Mißgeſchicks! Hat er ein Weib je, nun ſo moͤge ſie Sein Tod um vieles noch elender machen, Als mich mein junger Ehgemahl und du!— Kommt nun nach Chertſey mit der heil'gen Laſt, Die von Sankt Paul wir zur Beſtattung holten, Und immer, wenn ihr muͤde ſeyd, ruht aus, Derweil ich klag' um Koͤnig Heinrichs Leiche. Die Fraͤger nehmen die Leiche auf und gehen weiter.) Gloſter tritt auf.) Gloſt. Halt! ihr der Leiche Traͤger, ſetzt ſie nieder! Anna. Welch ſchwarzer Zaubrer bannte dieſen Boͤſen Zur Stoͤrung frommer Liebesdienſte her? Gloſt. Schurken, die Leiche nieder! Bey Sankt Paul, Zur Leiche mach' ich den, der nicht gehorcht! 1. Edelm. Mylord, aus und laßt den Sarg vorbey. Gloſt. Schamloſer Hund! ſteh du, wenn ich's befehle! Senk die Hellbarde nicht mir vor die Bruſt, Sonſt, bey Sankt Paul! ſtreck' ich zu Boden dich, Und trete, Bettler, dich fuͤr deine Keckheit. Die Traͤger ſetzen den Sarg nieder.) Anna, Wie nun? ihr zittert, ihr ſeyd all' erſchreckt? Doch ach! ich tadl' euch nicht: ihr ſeyd ja ſterblich, Und es ertraͤgt kein ſterblich Aug' den Teufel.— 2 dich hinweg, du graufer Höllenbote! u hatteſt Macht nur uber ſeinen Leib, Die Seel' erlangſt du nicht: drum mach' dich fort.
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