348 Koͤnig Heinrich VI.
Clarence, gieb Acht! du ſtehſt im Lichte mir, Doch einen ſchwarzen Taa fuch' ich dir aus; Denn ſolche Weiſſagung Ifläſtr' ich umher,
Daß Eduard fuͤr ſein Leben fuͤrchten ſoll,
Und dänn, ihn zu befreyn⸗ werd' ich dein Tod. Der Koͤnis Heinrich und ſein Prinz ſind hin; Elarence, dich trifft die Reih'; die Andern dann⸗
Ich achte nichts mich, bis ich alles kann.
Die Leiche werf' ich in die nächſte Kammer;
Triumph iſt, Heinrich, mir dein letzter Jammer! (ab mit der Leiche.)
Siebente Szene Ein Zimmer im Palaſt.
(Man ſieht Koͤnig Eduard auf ſeinem Throne ſitzen, Konigin Elifabeth mit dem kleinen Prinzen, Clarence, Glo⸗
ſter, Haſtings und Andre um ihn her.)
R. Ed. Noch einmal ſitzen wir auf Englands Thron,
Zuruͤckgekauft mit unſrer Feinde Blut.
Vie tapfre Gegner maͤhten wir nicht nieder,
Wie herbſtlich Korn⸗ in ihrem hoͤchſten Stolz! 4
Drey Herzoͤge von Somerſet, dreyfältig
Beruͤhmt als kühne zuverläß'ge Krieger?
Zwey Cliffords, ſo den Vater wie den Sohn;
Und zwey Northumberlands, ſo brave Ritter,
Wie bey Trompetenklang je Roſſe ſpornten;
Alsdann die beyden wackern Baͤren, Warwick
Und Montague, ſie, die in ihren Ketten
Den koͤniglichen Leu'n gefeſſelt hielten,
Vor deren Bruͤllen oft der Waid erbebt.
So ſcheuchten wir Verdacht von unſerm Thron, 3
Und machten Sicherheit zum Schemel uns.—
Komm, Betty, her, laß meinen Sohn mich kuͤſſen.—
Mein Kind, fuͤr dich bin ich und meine Bruder
Die Winternacht geruͤſtet wach geblieben,
Zu Fuß gewandert in des Sommers Glut,
Daß deine Kron' in Frieden du beſaͤßeſt,
Und ernten ſollſt du unſrer Muͤhen Frucht⸗ Gloſt. Geyſeit.) Wenn ihr zur Ruh euch legt, ver⸗
derb' ich ſie,
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