Gloſt. Laßt uns allein, wir müſſen uns beſprechen. (Der Commendant ab.)
R. weint. So flieht der Schäfer achtlos vor dem Wolf, So giebt das fromme Schaaf die Wolle erſt Dann ſeine Gurgel an des Schlaͤchters Meſſer⸗ Will Roscius nene Todesſzenen ſpielen?!
Gloſt. Verdacht wohnt ſtets im ſchuldigen Gemuͤth; Der Dieb ſcheut jeden Buſch, als einen Häſcher
R. Zeinr. Der Vogel, den die Ruth' im Buſche fing, Mißtraut mit bangem Fluͤgel jedem Buſch;— Und ich, das arme Maͤnnchen in dem Neſt,
Worin Ein ſuͤßer Vogel ward gebruͤtet, Hab' itzt den grauſen Gegenſtand vor mir, Der meines Jungen Fang und Tod bewirkt.
Gloſt. Ey, welch ein Geck war der von Creta nicht, Der keck den Sohn als Vogel fliegen lehrte, Da trotz den Flügeln doch der Geck ertrank. R. einr. Ich, Dädalus; mein Knabe, Ikarus; Dein Vater, Minos, der den Lauf uns hemmte;
Die Sonne, die des Knaben Schwingen ſengte,
Dein Bruder Eduard; und du ſelbſt die See,
Die in den neid'ſchen Tiefen ihn verſchlang.. Ach, todte mit dem Schwert mich, nicht mit Worten! Den Dolchſtoß duldet eher meine Bruſt Als wie mein Ohr die tragiſche Geſchichte.— Doch warum kommſt du? meines Lebens wegen?
Gloſt. Denkſt du, ich ſey ein Henker? R. Zeinr. Ja, ein Verfolger biſt du, wie ich weiß;
Iſt Unſchuld morden eines Henkers That, So biſt du ja ein Benter- 1 0 Gloſt. Deinen Sohn
Hab' ich fuͤr ſeinen Hochmuth umgebracht. R. Feinr. O hätte man dich umgebracht, als du
Zuerſt dich uͤberhobſt, ſo waͤrſt du nicht
Am Leben, meinen Sohn mir umzubringen.
Und alſo prophezeyh' ich, daß viel Tauſend, 2
Die nicht ein Theilchen meiner Furcht noch ahnen,
Und manches Greiſen, mancher Wittwe Seufzer,
Und mancher Wayſe überſchwemmtes Auge
(Die Greiſ' um Soͤhne, Frau'n um ihre Gatten,
Die Wayſen um der Eltern fruhen Tod)
Die Stunde noch, die dich gebar, bejammern. †


