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344 Koͤnig Heinrich VI.— A. V.
R. Ed. Still, trotzig Kindl ſonſt will ich ſtumm dich machen.
Clar. Du biſt zu vorlaut, ungezogner Knabe. prinz. Ich kenne meine Pflicht, ihr brecht ſie alle.
Wolluͤſt ger Eduard, und meineid'ger George
Und mißgeſchaffner Richard! alle wißt,
Verraͤther wie ihr ſeyd, ich bin Eur Obrer.
Du maßeſt meines Vaters Recht und meins dir an.
R. Ed.(urchſticht ihn) Nimm dieß, du Abbild jener
, Schmäherin. Gloſt.(durchſticht ihn) Zuckſt du? Nimm dieß, um deine 8 5 Qual zu enden. Clar.(durchſticht ihn) Dieß hier, weil du mit Meineid mich gezwackt. marg. O toͤdtet mich mit ihm!
5 Gloſt.(im Begriff ſie wbrite Fuͤrwahr, das wol⸗
en wir.
R. d. Halt, Richard, halt! Wir thaten ſchon zu viel.
Gloſt. Warum ſoll ſie die Welt mit Worten fuͤllen? R. ked. Sie fallt in Ohnmacht? Bringt ſie wieder zu ſich. Gloſt. Clarence, entſchuld'ge mich bey meinem Bruder, In London giebt's ein dringendes Geſchäft; Eh ihr dahin kommt, ſollt ihr Neues hoͤren.
Clar. Was? Was?
Gloſt. Der Thurm! der Thurm!
marg. Mein Eduard! ſprich mit deiner Mutter, Kind, Kannſt du nicht ſprechen?— O Verräther! Moͤrder! Kein Blut vergoſſen die, ſo Caͤſarn faͤllten, Verbrachen nichts, verdienten keinen Schimpf,„ Wär' dieſe Unthat zum Vergleich daneben. Er war ein Mann, dieß gegen ihn ein Kind: Kein Mann läßt ſeine Wuth an Kindern aus. Giebt's aͤrgres noch als Moͤrder, daß ich's nenne! Rein, nein! Mein Herz wird berſten, wenn ich rede.—
Und reden will ich, daß das Herz mir berſte.
Schlaͤchter und Buben! blut'ge Cannibalen! Welch ſuͤße Pflanze maͤhet ihr zu fruͤh! Nein, ihr habt keine Kinder, der Gedanke
An ſie haͤtt' eur Gewiſſen ſonſt geruͤhrt:
Doch wird euch je ein Kind zu Theil, erwartet Daß man es ſo in ſeiner Bluͤte wegrafft, Wie dieſen holden Prinz ihr Henker jetzt⸗


