Teil eines Werkes 
Zweyter Theil (1825) König Heinrich der Fünfte
Entstehung
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Sz. 4. Deitter Theil⸗ 34

Das Tau geriſſen, eingebußt der Anker,

Die halbe Mannſchaft in der Flut verſchlungen, Doch lebt noch der Pilot; wär's recht, daß er

Das Steur verließe, wie ein banger Knabe Die See vermehrte mit bethraͤnten Augen, Und das verſtaͤrkte, was zu ſtart ſchon iſt, Indeß das Schiff bey ſeinem Jammern ſcheitert, Das Fleiß und Muth noch haͤtten retten moͤgen! Ach, welche Schande, welch' Vergehn waͤr' das! War Warwick unſer Anker auch: was thut's?! Und Montague der große Maſt: was ſchadet's? Erſchlagne Freunde unſer Tauwerk; nun?!

Sagt, iſt nicht Opford hier ein andrer Anker?

Und Somerſet ein andrer wackrer Maſt? Die Freund' aus Frankreich Tau, und Segelwerk? Und warum dürften Eduard und ich, Zwar ungeuͤbt, fuͤr dießmal nicht das Amt

Des wohlgeuͤbten Steuermanns verſehn?

Wir wollen nicht vom Ruder weg und weinen, Wir lenken(ſagt der Wind ſchon Nein) die Fahrt

Von Sand und Klippen weg, die Schiffbruch drohn.

Die Wellen ſchelten hilft ſo viel als loben,

Und was iſt Eduard als ein wuͤthend Meer?

Was Clarence, als ein Triebſand des Betrugs?

Und Richard, als ein toͤdtlich ſchroffer Fels?

Sie alle unſers armen Fahrzeugs Feinde.

Setzt, ihr koͤnnt ſchwimmen; ach, das wäͤhrt nicht lange

Den Sand betretet: ſchleunig ſinkt ihr da;

Den Fels erklimmt: die Flut ſpult euch hinweg,

Sonſt ſterbt ihr Hungers, das iſt dreyfach Tod.

Dieß ſag' ich, Lords, um euch zu uͤberzeugen,

Wenn einer euer fliehen wollte, ſey

Mehr Gnade nicht zu hoffen von den Brudern,

Als von ergrimmten Wellen, Baͤnken, Klippen.

Getroſt denn! Das bejammern oder fuͤrchten,

Was unvermeidlich iſt, waͤr' kind'ſche Schwaͤche. Prinz. Mich duͤnkt, ein Weib von ſolchem tapferi Geiſt,

Wenn ein Verzagter ſo ſie reden hoͤrte,

Muͤßt ihm die Bruſt mit Heldenmuth erfuͤllen,

Daß nackt er einen Mann in Waffen ſchluͤge. Dieß ſag' ich nicht, als zweifelt' ich an wen,

Denn hätt' ich jemand in Verdacht der Furcht,

So waͤr' ihm zeitig wegzugehn vergoͤnnt, Daß er in unſrer Noth nicht einen andern