Teil eines Werkes 
Zweyter Theil (1825) König Heinrich der Fünfte
Entstehung
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Sz. 2. Dritter Lhei 339

Die mit dem Wipfel Jovis breiten Baum

Weit uͤberſchauet hat, und niedre Se 5 Vor dem gewalt'gen Winterſturin gedeckt.

Die Augen, jetzt vom Todesſchley'r umdüſtert,

Sind hell geweſen wie die Mirtaſsſonue,

Den heimlichen Verrath der Welt wähn.

Die Falten meiner Stirn, jetzt voller Blut,

Sind Koͤnigsgruͤften oft verglichen worden: Denn welches Koͤnigs Grab konnt' ich icht graben? Wer laͤchelte, wenn Warwick finſter ſah? Nun iſt mein Glanz befleckt mit Staub und Blut- Die Luſtgeheg' und Guͤter, die ich hatte, Verlaſſen mich; von allen Laͤnderey'n

Bleibt mir nichts uͤbrig, als des Leibes Laͤnge.

Was iſt Pomp, Hoheit, Macht, als Erd' und Suut! Lebt, wie ihr konnt, ihr ſeyd des Todes Raub.

.(Orford und Somerſet treten zuf)

Som. Ach, Warwick, Warwick! waͤrſt du wie wir ſind, Wir koͤnnten ganz noch den Verluſt erſetzen.

Die Koͤnigin hat eine große Macht

Aus Frankreich mitgebracht, die Zeitung hörten

Wir eben jetzt: ach, koͤnnteſt du nur fliehn!

warw. Dann wollt' ich doch nicht fliehn. Ach,

Mantaaue⸗

Nimm meine Hand, biſt du da, lieber Bruder,

Halt meine Seele auf mit deinen Lippen!

Du liebſt mich nicht, ſonſt wuͤſchen deine Thraͤnen

Fi kalte ſtarre Blut weg, das die Lippen

Nir ſo verklebt, und mich nicht reden laͤßt. n ſchleunig, Montague, ſonſt bin ich todt.

Som. Ach, Warwick! Montague iſt hingeſchirden Und Warwick rief er bis zum letzten Hauch, 2 Und ſagt': empfiehl mich meinem tapfern Bruder; Mehr wollt' er ſagen, und er ſprach auch mehr,

Das ſcholl wie in Gewoͤlben ein Geſchuͤtz,

Es war nicht zu vernehmen: doch zuletzt Hoͤrt' ich mit Stöhnen deutlich ausgeſprochen: O leb' wohl, Warwick!

warw. Ruh' ſeiner Seele! Flieht und rettet eich,

Denn Wich ſagt euch Lebewohl bis auf den irbt oyf. Fort, ſunt dem Heer der Koͤnigin entgegen. Qb mit Warwicks Leiche.)

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