Teil eines Werkes 
Zweyter Theil (1825) König Heinrich der Fünfte
Entstehung
Einzelbild herunterladen

326 Kdnig Heinrich VI. A. IV.

Beym Erzbiſchof von York in Haſt, dem Bruder Des grimmen Warwick, folglich unſerm Feind. Riv. Ich muß geſtehn, die Zeitung iſt betruͤbt. Doch, gnaͤd'ge Fuͤrſtin, muͤßt ihr nicht verzagen: Vom Warwick kann der Sieg zu uns ſich ſchlagen. R. kliſ. Bis dahin muß mein Leben Hoffnung tragen⸗ Und der Verzweiflüng wehr' ich gern aus Liebe Zu Eduards Sproͤßling unter meinem Herzen. Das iſt's, was Leidenſchaft mich zuͤgeln lehrt, Und milde tragen meines Ungluͤcks Kreuz; Ja, darum zieh', ich manche Thraͤne ein, Und hemme Seufzer, die das Blut wegſaugen, Damit ſie nicht ertraͤnken und verderben Den Sproͤßling Eduard, Englands aͤchten Erben. Riv. Doch, gnäd'ge Frau, wo kam denn Warwick hin? R. Eliſ. Man meldet mir, daß er nach London zieht, Nochmals die Kron' auf Heinrichs Haupt zu ſetzen. Das Weitre magſt du ſelber rathen nun: Die Freunde Koͤnig Eduards muͤſſen fallen. Doch der Gewalt des Wuͤthrichs vorzubengen (Denn dem trau nie, der einmal Treue brach) Will ich von hier ſogleich zur Freyſtadt hin, Von Eduards Recht den Erben mindſtens retten; Da bleib' ich ſicher vor Gewalt und Trug. Komm alſo, auf die Flucht, weil ſie noch offen: Von Warwicks Hand iſt nur der Tod zu hoffen. (Beyde ab)

Fuͤnfte Szene⸗ Ein Thiergarten in der Naͤhe der Burg Middleham in Yorkſhire.

(Gloſter, Haſtings, Sir William Stanley und Andre treten auf)

Gloſt. Nun, Mylord Haſtings und Sir William Stanley⸗ Erſtaunt nicht mehr, warum ich euch hieher In des Geheges tiefſtes Dickicht zog. So ſtehts: ihr wißt, mein Bruder, unſer Koͤnig, Iſt als Gefangner bei dem Biſchof hier, Der gut ihn haͤlt und ihm viel Freyheit läßt, Und oft, von wenig Wache nur begleitet, Kommt er hieher, ſich jagend zu ergoͤtzen,