Teil eines Werkes 
Zweyter Theil (1825) König Heinrich der Fünfte
Entstehung
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A. I. Sz. 1. Koͤnig Heinrich V. 5

Canterb. Der Koͤnig iſt voll Huld und milder Ruͤckſicht. Ely. Und ein wahrhafter Freund der heil'gen Kirche. Canterb. Sein Jugendwandel zwar verhieß es nicht;

Doch kaum lag ſeines Vaters Leib entſeelt,

Als ſeine Wildheit auch, in ihm ertodtet,

Zu ſterben ſchien; ja in dem Augenblick

Kam beßre leberlegung wie ein Engel,

Und peitſcht' aus i den ſuͤnd'gen Adam weg,

Daß wie ein Paradies ſein Leib nun blieb,

Das Himmelsgeiſter aufnimmt und umfaßt.

Nie ward ſo ſchnell ein Zogling noch gebildet;

Vie hat noch Beſſerung mit einer Flut

So raſchen Stromes Fehler weggeſchwemmt, Und nie hat hydrakoͤpf'ger Eigenſinn

So bald den Sitz verloren, und mit eins, Als jetzt bei dieſem Koͤnig.

Ely. Die Umwandlung iſt ſegensvoll fuͤr uns.

Canterb. Hoͤrt ihn nur uͤber Gottsgelahrtheit reden, Und, ganz Bewundrung, werdet ihr den Wunſch Im Innern thun, der Koͤnig wär' Prälat; Hoͤrt ihn verhandeln uͤber Staatsgeſchaͤfte, So glaubt ihr, daß er einzig das ſtudirt; Horcht auf ſein Kriegsgeſpraͤch: und grauſe Schlachten Vernehmt ihr vorgetragen in Muſik; Bringt ihn auf einen Fall der Politik, Er wird deſſelben Gord'ſchen Knoten loͤſen, Vertraulich wie ſein Knieband; daß den Reden Die Luft, der mgebundne Wuͤſtling, ſchweigt. Und ſtumm Erſtaunen lauſcht in Aller Hhren, Die honigſuͤßen Spruͤche zu erhaſchen, So daß des Lebens Kunſt und praktiſch Theil Der Meiſter dieſer Theorie muß ſeyn. Ein Wunder, wie ſie Seine Hoheit auflas, Da doch ſein Hang nach eitlem Wandel war, Sein Umgang ungelehrt, und roh und ſeicht, Die Stunden hingebracht in Saus und Braus, Und man nie ernſten Fleis an ihm bemerkt, Auch kein Zuruͤckziehn, keine Sonderung Von freyem Zulauf und von Volksgewuͤhl. Ely. Es wachſt die Erdbeer' unter Neſſeln auf, Geſunde Beeren reifen und gedeihn Am beſten neben Fruͤchten ſchlecht'rer Art;