Teil eines Werkes 
Erster Theil (1825) König Johann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Sz. 2. Zweyter Theil. 3¹9

Euch in Verhaft nahm. War die Handlung ſchlecht,

So wuͤnſcht euch, da ihr nun die Krone tragt,

Auch einen Sohn, der eurer Schlüſſe ſpottet,

Gerechtigkeit vom ernſten Sitze reißt,

Den Lauf des Rechtes ſtuͤrzt, und ſtumpft das Schwert,

Das eure Sicherheit und Frieden ſchirmt;

Noch mehr, eur hohes Bild mit Fuͤßen tritt,

Und hoͤhnt eur Werk in einem Stellvertreter.

Fragt euren hohen Sinn, ſetzt euch den Fall;

Seyd nun ein Vater, denkt euch einen Sohn,

Hoͤrt eure eigne Wuͤrde ſo entweiht, 5

Die furchtbarſten Geſetze keck verachtet,

Seht ſo euch ſelbſt von einem Sohn entwuͤrdigt;

Dann ſtellt euch vor, ich fuͤhre eure Sache,

Und ſänft'g' in eurer Vollmacht euren Sohn:

So kuͤhl erwogen, faͤllt nun meinen Spruch.

So wahr ihr Koͤnig, ſprecht nach eurer Wuͤrde:

Was that ich wohl, das meinem Amt, Perſon

Und Dienſtpflicht gegen meinen Herrn misziemte? Rönig. Ihr habt recht, Richter, und erwägt dieß wohl.

Fuͤhrt denn hinfort die Wagſchaal und das Schwert;

Und moͤgen eure Ehren immer wachſen,

Bis ihrs erlebt, daß euch ein Sohn von mir

Beleidigt und gehorchet, wie ich that.

Dann werd' ich ineines Vaters Worte ſprechen:

Begluͤckt bin ich, ſolch kuͤhnen Mann zu haben,

Der Recht an meinem Sohn zu uͤben wagt;

Begluͤckt nicht minder, daß ein Sohn mir ward,

Der ſeiner Groͤße zu des Rechtes Handen

Sich ſo entäußert. Ihr habt mich gepfaͤndet, Darum verpfänd' ich nun in eure Hand a i Dieß reine Schwert, das ihr zu fuͤhren pflegtet, Mit dieſer Mahnung: daß ihr ſelbes braucht,

So kuͤhn, gerecht und unpartey ſchen Sinns,

Wie damals wider mich. Hier meine Hand,

Ihr ſollt ein Vater meiner Jugend ſeyn, Was ihr mir einhaucht, ſoll mein Mund verkuͤnden, Und meinen Willen unterwerf ich gern So wohlerfahrnen weiſen Anleitungen. Und, all' ihr Prinzen, glaubt es mir ich bitt' euch: Wild iſt mein Vater in ſein Grab gegangen, 6 In ſeiner Gruft ruhn meine Leidenſchaften; zu Und in mir uͤberlebt ſein ernſter Geiſt, 2 Um die Erwartung aller Welt zu taͤuſchen, Propheten zu beſchämen, auszuloſchen