Teil eines Werkes 
Erster Theil (1825) König Johann
Entstehung
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318 Koͤnig Heinrich IV. A.

warw. Da kommt der Prinz. (Koͤnig Heinrich der Fuͤnfte kritt auf.) Oberr. Guten Morgen! Gott erhalt' Euer Majeſtät. Bönig. Dieß neue praͤcht'ge Staatskleid, Majeſtät, Sitzt mir nicht ſo gemaͤchlich, wie ihr denkt. Bruͤder, ihr miſcht mit ein'ger Furcht die Trauer; Dieß iſt der Engliſche, nicht Tuͤrk'ſche Hof, Hier folgt nicht Amurath auf Amurath, Auf Heinrich, Heinrich. Doch trauert, lieben Bruͤder; Die Wahrheit zu geſtehn, es ziemt euch wohl; Das Leid erſcheint in euch ſo königlich, Daß ich der Sitte ganz mich will ergeben, Und ſie im Herzen tragen. Wohl denn, trauert, Doch ziehts nicht mehr euch an, geliebte Bruͤder, Als eine Laſt, uns allen auferleht. Was mich betrifft, beym Himmel, ſeyd verſichert, Ich will euch Vater und auch Bruder ſeyn. Gebt eure Lieb', ich nehme eure Sorgen; Doch weint, daß Heinrich todt iſt, ich wills auch. Doch Heinrich lebt, der alle dieſe Thränen In ſo viel Stunden Glücks verwandeln wird. Pr. Joh.(und die Uebrigen.) So hoffen wirs von Eurèer Majeſtät. Rönig. Ihr blickt auf mich befremdet; ihr am meiſten. (Sum Oberrichter.) Ich denk', ihr ſeyd gewiß, ich lieb' euch nicht. Oberr. Ich bin gewiß, wenn man gerecht mich mißt, Hat Eure ee zum Haß nicht Urſach. Rönig. icht? Wie konnt' ein Prinz von meiner 6 Anwartſchaft So großen zugefuͤgten Schimpf vergeſſen? Was? ſchelten, ſchmaͤhn und hart gefangen ſetzen Den naͤchſten Erben Englands! War das nichts?

Laßt ſichs im Lethe waſchen und vergeſſen? Oberr. Da uͤbt' ich die Perſon von eurem Vater, Ich trug an mir das Abbild ſeiner Macht,

Und da ich bey Verwaltung des Geſetzes Geſchaͤftig war fuͤr das gemeine Weſen, Gefiels Eur Hoheit, gaͤnzlich zu vergeſſen Mein Amt und des Geſetzes Majeſtät,

Das Bild des Koͤnigs, welchen ich vertrat, Und ſchlugt mich, recht auf meinem Richterſitz, Worauf, als den Beieid'ger eures Vaters, Ich, kuͤhnlich meines Anſehns mich bedienend,