Teil eines Werkes 
Erster Theil (1825) König Johann
Entstehung
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3¹2 Koͤnig Heinrich W. A. IV.

So haͤtt' ich vorgebaut der harten Ruge, Eh ihr mit Gram geredt, und ich ſo weit Den Lauf davon gehort. Hier iſt die Krone, Und er, der ſeine Kron' unſterblich traͤgt, Erhalte lang ſie euch! Wuͤnſch' ich ſie mehr, Als eure Ehre und als euren Ruhm, So moͤg' ich nie von dem Gehorſam aufſtehn, Den trenſter, innerlich ergebner Sinn Mich lehrt, der unterwuͤrf'gen aͤnßern Biegung! Der Himmel ſey mein Zeuge, wie ich kam, Und keinen Odem fand in Eurer Mafeſtät, Wie es mein Herz betroffen! Wenn ich heuchle, So moͤg' ich in der jetz'gen Wildheit ſterben, Und der unglaͤub'gen Welt den edlen Tauſch, Den ich mir vorgeſetzt, nie darthun konnen! Zu euch hier kommend, denkend ihr ſeyd todt, Und todt beinah, zu denken, daß wart, Sprach ich zur Kron, als hätte ſie Gefuͤhl, Und ſchalt ſie ſo. Die Sorge, ſo dir anhaͤngt, Hat meines Vaters Körper aufgezehrt; Drum biſt du, beſtes Gold, von Gold das ſchlechtſte. Andres, das wen'ger fein, iſt koͤſtlicher, Vewahrt in trinkbarer Arzney das Leben; Doch du, das feinſte, ruhm⸗ und ehrenreichſte, S deinen Herrn. So, mein Gebieter, Verklagt' ich ſie, und ſetzte ſie aufs Haupt, Mit ihr als einem Feind, der meinen Vater Vor meinem Angeſicht ermordet hätte, Den Streit des ächten Erben auszumachen. Doch wenn ſie mir das Blut mit Luſt erhitzt, Geſchwellt zu ſtolzer Hoffahrt die Gedanken, Wenn irgend ein rebehh'ſcher eitler Geiſt n mir, mit des Willkommens kleinſter Regung, Der Macht derſelben gern entgegenkam: So halte Gott ſie ſtets vom Haupt mir fern,* Und mache mich zum niedrigſten Vaſallen, Der voller Schreck und Ehrfurcht vor ihr kniet!

i. Zeinr. O mein Sohn! Der Himmel gab dir ein, ſie wegzunehmen, Daß du des Vaters Liebe mehr gewoͤnneſt, Da du ſo weiſe deine Sache fuͤhrſt.

Komm her denn, Heinrich, ſetz dich an mein Bett, Und hoͤr den letzten Rathſchlag, wie ich glaube, Den ich je athmen mag. Gott weiß, mein Sohn,