Teil eines Werkes 
Erster Theil (1825) König Johann
Entstehung
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40 Koͤnig A. III.

Und koͤnnt' ichs, welchen Gram vergaͤß' ich nicht! Ja pred'ge Weisheit, um mich toll zu machen, Und du ſollſt Heil'zer werden, Cardinal.

Da ich nicht toll bin, und fuͤr Gram empfindlich, Giebt mein vernuͤnftig Theil mir Mittel an,

Wie ich von dieſem Leid mich kann befreyn,

Und lehrt mich, mich zu wuͤrgen oder haͤngen.

Ja waͤr' ich toll, vergaͤß' ich meinen Sohn,

Saͤh' ihn wohl gar in einer Lumpenpuppe.

Ich bin nicht toll: zu wohl, zu wohl nur fuͤhl ich Von jedem Ungluͤck die verſchiedne Qual.

V. Pph. Bind't dieſe Flechten auf. O welche Liebe Seh' ich in ihres Haares ſchoͤner Fuͤlle!.

Wo nur etwa ein Silbertropfe faͤllt,

Da haͤngen tauſend freundſchaftliche Faͤden

Sich an den Tropfen in geſell'gem Gram,

Wie treue unzertrennliche Gemuͤther,

Die feſt im Mißgeſchick zuſammenhalten.

Conſt. Nach England, wenn ihr wollt! R. Ph. Bind't euer Haar auf.

Conſt. Das will ich, ja: und warum will ichs thun? Ich riß ſie aus den Banden, und rief laut: O loͤßten dieſe Haͤnde meinen Sohn, Wie ſie in Freyheit dieſes Haar geſetzt! Doch nun beneid' ich ihre Freyheit ihnen, Und will ſie wieder in die Banden ſchlagen, Weil in Gefangenſchaft mein armes Kind. Ich hoͤrt' euch ſagen, Vater Cardinal, Wir ſehn und kennen unſre Freund' im Himmel; Iſt das, ſo ſeh' ich meinen Knaben wieder; Denn ſeit des Erſtgebornen Kain Zeit, Bis auf das Kind, das erſt ſeit geſtern athmet, Kam kein ſo heiliges Geſchoͤpf zur Welt. Allein nun nagt der Sorgen Wurm mein Knoͤspchen, Und ſcheucht den friſchen Reiz von ſeinen Wangen, Daß er ſo hohl wird ausſehn, wie ein Geiſt, So bleich und mager, wie ein Fieberſchauer, Und wird ſo ſterben; und ſo auferſtanden, Wenn ich ihn treffe in des Himmels Saal, Erkenn' ich ihn nicht mehr: drum werd' ich nie, Nie meinen zarten Arthur wiederſehn.

Pand. Ihr uͤbertreibt des Grames Bitterkeit.