Sz. 4. Johann⸗ 39
So raſche Eil, ſo mit Bedacht gelenkt, So weiſe Ordnung bey ſo kuͤhnem Lauf, Iſt ohne Beyſpiel.— Wer vernahm und las Von irgend einer Schlacht, die dieſer glich?
R. Ph. Ich koͤnnte England dieſen Ruhm wohl goͤnnen, Wuͤßt ich fuͤr unſre Schmach ein Vorbild nur. (Conſtanze tritt auf.) Seht, wer da kommt? Ein Grab fuͤr eine Seele, Das wider Willen haͤlt den ew'gen Geiſt Im ſchnoͤden Kerker des bedrängten Odems.— Ich bitte, Fuͤrſtin, kommt hinweg mit mir. Conſt. Da ſeht nun, ſeht den Ausgang eures Friedens! R. ph. Geduld, Conſtanze! muthig, werthe Fuͤrſtin! Conſt. Nein, allen Troſt verſchmaͤh' ich, alles Heil, Bis auf des Troſtes End' und wahres Heil, Tod! Tod!— O liebenswuͤrd'ger holder Tod! Balfamiſcher Geſtank! geſunde Faͤulniß! Steig' auf aus deinem Lager ew'ger Nacht, Du Haß und Schrecken der Zufriedenheit, So will ich kuͤſſen dein verhaßt Gebein, In deiner Augen Hoͤhlung meine ſtecken, Um meine Finger deine Wuͤrmer ringeln, Mit eklem Staub dieß Thor des Odems ſtopfen, Und will ein grauſer Leichnam ſeyn, wie du. Komm, grinſ' mich an! ich denke dann, du laͤchelſt, Und herze dich als Weib. Des Elends Buhle, O komm zu mir!
k. ph. O holde Trůͤbſal, ſtil! Conſt. Nein, nein, ich will nicht, weil ich Odem habe.
O waͤre meine Zung' im Mund des Donners!
Erſchuͤttern wollt' ich dann die Welt mit Weh,
Und aus dem Schlafe ruͤtteln das Geripp,
Das eines Weibes matten Laut nicht hoͤrt,
Und eine⸗ſchwache Anrufung verſchmaͤht. pand. Fuͤrſtin, ihr redet Tollheit und nicht Gram. Conſt. O! du biſt fromm, daß du mich ſo beluͤgſt.
Ich bin nicht toll: dieß Haar, das ich zerrauf', iſt mein;
Tonſtanze heiß' ich; ich war Gottfrieds Weib;
Mein Sohn iſt Arthur, und er iſt dahin.
Ich bin nicht toll,— o wollte Gott, ich waͤr's!
Denn ich vergäße dann vielleicht mich ſelbſt,


