Teil eines Werkes 
Erster Theil (1825) König Johann
Entstehung
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34 Koͤnig A. I1.

Und wo das Thun zum Uebel zielt, da wird Durch Nichtthun Recht am beſten ausgeuͤbt.

Das beſte Mittel bey verfehltem Vorſatz

Iſt ihn verfehlen: iſt das ungerade,

So wird dadurch doch Ungerades grade,

Und Falſchheit heilet Falſchheit, wie das Feuer In den verſengten Adern Feuer kuͤhlt.

Zeligion iſt's, was den Eid macht halten,

Doch du ſchworſt gegen die Religion:

Wobey du ſchwoͤrſt, dawider ſchwoͤreſt du.

So machſt du Eid zum Zeugen wider Eid

Für deine Treu, da Treue, die nicht ſicher

Des Schwures iſt, nur ſchwoͤrt nicht falſch zu ſchwoͤren Welch ein Geſpoͤtte waͤre Schwoͤren ſonſt? Du aber ſchwoͤrſt, meineidig nur zu ſeyn, Meineidig, wenn du haͤltſt, was du beſchworſt. Die ſpätèérn Eide gegen deine fruͤhern

Sind drum in dir Empoͤrung wider dich;

Und keinen beſſern Sieg kannſt du erlangen,

Als wenn du dein ſtandhaftes edles Theil Bewaffneſt wider dieſe loſe Lockung;

Fuͤr welches Beßre wir Gebete thun,

Wenn du ſie wuͤrdig haͤltſt: wo nicht, ſo wiſſe, Daß unſrer Fluͤche Drohn dich trifft, ſo ſchwer, Daß du ſie nie ſollſt von dir ſchuͤttelnz nein, Verzweifelnd ſterben unter ſchwarzer Laſt.

Oeſt. Empoͤrung! ja Empoͤrung!

Baſt. Immer noch? Wird denn kein Kalbsfell deinen Mund dir ſtopfen?

Louis. Auf, Vater! Krieg!

Bl. An deinem Hochzeittag,

Und gegen das mit dir vermählte Blut?

Wie? ſollen unſer Feſt Erſchlagne feyern?

Soll ſchmetternde Trompet' und laute Trommel,

Der Hoͤlle Laͤrm, begleiten unſern Zug?

O Gatte, hoͤr' mich! ach, wie neu iſt Gatte

In meinem Munde! um des Namens willen,

Den meine Zunge niemals ſprach bis jetzt,

Bitt' ich auf meinen Knie'n, ergreif die Waffen

Nicht gegen meinen Oheim. . Conſt. O, auf meinen Knie'n, Vom Knieen abgehaͤrtet, bitt' ich dich,