Sz. 1. Johann. 29
(König Johann, Koͤnig Philipp, Louis, Blanca, Eleonora, der Baſtard, Heſterreich und Gefolge treten auf.)
R. Ph. Ja, holde Tochter: dieſen Segenstag
Soll man in Frankreich feſtlich ſtets begehn.
Um dieſen Tag zu feyern, hemmt den Lauf
Die hehre Sonn', und ſpielt den Alchimiſten,
Berwandelnd mit des koſtbarn Auges Glanz
Die magre leim'ge Erd' in blinkend Gold.
Der Jahres⸗Umlauf, der ihn wiederbringt,
Soll ihn nicht anders ſehn, als Feyertag.—
Conſt.(aufſtehend.) Ein Suͤndentag und nicht ein Fey⸗ ertag!—
Was hat der Tag verdient und was gethan,
Daß er mit goldnen Lettern im Kalender
Als eins der hohen Feſte ſollte ſtehn?
Nein, ſtoßt ihn aus der Woche lieber aus,
Den Tag der Schmach, Bedruͤckung und des Meineids,
Und bleibt er ſtehn, laßt ſchwangre Weiber beten,
Nicht auf den Tag der Buͤrde frey zu werden,
Daß keine Mißgeburt die Hoffnung taͤuſche;
Der Seemann fuͤrcht' an keinem ſonſt den Schifföruch,
Kein Handel brech', als der an ihm geſchloſſen;
Was dieſer Tag beginnt, ſchlag' uͤbel aus,
Ja, Treue ſelbſt verkehr' in Falſchheit ſich!
B. ph. Beym Himmel, Fuͤrſtin, ihr habt keinen Grund,
Dem ſchoͤnen Vorgang dieſes Tags zu fluchen.
Setzt' ich euch nicht die Majeſtät zum Pfand?
Conſt. Ihr troget mich mit einem Afterbild,
Das glich der Maͤfeſtaͤt; allein beruͤhrt, gepruͤft,
Zeigt es ſich ohne Werth; ihr ſeyd meineidig,
Ihr wolltet meiner Feinde Blut vergießen,
Und nun vermiſcht ihr eures mit dem ihren.
Die Ringer-Kraft, das wilde Drohn des Krieges,
Kuͤhlt ſich in Freundſchaft und geſchminktem Frieden
Und unſre Unterdruͤckung ſchloß den Bund.
Straf, Himmel, ſtraf die eidvergeßnen Koͤnge!
Hoͤr' eine Wittwe, ſey mir Gatte, Himmel!
Laß nicht die Stunden dieſes ſuͤnd'gen Tags
In Frieden hingehn; eh die Sonne ſinkt,
Entzweye dieſe eidvergeßnen Kön'ge!
Hoͤr' mich, o hoͤr' mich!
Geſt. Frau Conſtanze, Friede!


