Teil eines Werkes 
Erster Theil (1825) König Johann
Entstehung
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Dritter Aufzug. Erſte Szene. Das Zelt des Konigs von Frankreich. (Conſtanze, Arthur und Salisbury treten auf.)

Conſt. So ſich vermaͤhlt! den Frieden ſo geſchworen! Falſch Blut vereint mit falſchem! Freunde nun? Soll Louis Blanca haben? ſie die Laͤnder?

Es iſt nicht ſo: du haſt verredt, verhoͤrt; Beſinne dich, ſag den Bericht noch'mal.

Es kann nicht ſeyn; du ſagſt nur, daß es iſt: Ich traue drauf, daß nicht zu traun dir ſteht, Dein Wort iſt eines Menſchen eitler Odem.

Ja, glaube, daß ich dir nicht glaube, Mann, Ich hab' dawider eines Koͤnigs Eid.

Man ſoll dich ſtrafen, daß du mich erſchreckt: Denn ich bin krank, empfaͤnglich fuͤr die Furcht, Von Leid bedrängt, und alſo voller Furcht, Bin Wittwe, gattenlos, ein Raub der Furcht, Ein Weib, geboren von Natur zur Furcht;

Und ob du nun bekennſt, du ſcherzteſt nur, Kommt doch kein Fried' in die verſtorten Geiſter, Daß ſie nicht bebten dieſen ganzen Tag.

Was meinſt du mit dem Schuͤtteln deines Kopfes? Was blickſt du ſo betruͤbt auf meinen Srn? Was meint die Hand auf dieſer deiner 2 euſt? Was hält dein Auge dieſe Thraͤnenflut,

Gleich einem Strom, der ſtolz dem Bete' entſchwillt? Sind dieſe Zeichen deines Worts Betheurer? So ſprich! Nicht ganz die vorige Erzählung, Dieß Wort nur: ob ſie wahr ſey oder nicht?

Sal. So wahr, wie ihr gewiß fuͤr falſch die haltet, Die Schuld ſind, daß ihr wahr mein Wort erfindet.

Conſt. O, lehrſt du mich, zu glauben dieſes Leid, So lehr' du dieſes Leid, mich umzubringen, Laß Glauben ſich und Leben ſo begegnen,

Wie zwey verzweiflungsvoller Menſchen Wuth, Die, wie ſie ſich nur treffen, fall'n und ſterben. Louis vermaͤhlt mit Blanca? Kind, wo bleibſt du?