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Novellen / von Fr. Seybold
Entstehung
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hohe Gebirge, auf einſamen Pfaden, kamen ſie nach Frankreich. Unermůdet war die Sorgfalt der Spanierin fuͤr ihren Geliebten, ſie lebte nur in ihm, ihre Liebe und Hingebung war ſchwaͤrmeriſch. In einer Stunde ſüßen Entzückens zog ſie einen Dolch aus ihrem Buſen, ihre Augen funkelten, und mit dem ganzen Feuer ihres ſüdlichen Gemüths ſprach ſie die ernſten Worte:Du biſt der erſte und einzige Mann, den ich liebe; Alles habe ich dir geopfert, Aeltern, Verwandte, Vaterland; darum ſchwöre mir Treue bis in den Tod, ſonſt endigt dieſes Eiſen unſer Beider Leben. Entzückt leiſtete Rudolph den Schwur, Wil⸗ lens, ihn zu halten; da öffnete ſich der Spa⸗ nierin Herz in überſtrömender Seligkeit ſo war er noch nie geliebt worden. In der erſten franzöſiſchen Stadt mahnte ihn Iſabelle voll Ungeduld, ihre Bande unauflöslich zu knüpfen. Mit Freuden, erwiederte er ihr, wenn ein Prieſter meines Glaubens hier iſt. Erſtaunt fuhr die Spanierin zuruͤck und rief mit Tönen des Schreckens:Wie, biſt du kein Chriſt?