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Novellen / von Fr. Seybold
Entstehung
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Ein Chriſt bin ich, aber nicht von der katholiſchen Kirche.Ein Ketzer! ſchrie Iſabelle mit Entſetzen auf, warf einen un⸗ ausſprechlichen Blick auf ihn, in dem ſich Liebe und Abſchen zugleich malten, und verſchwand in ein Nebenzimmer. Er beſchwor ſie bei ihrer gegenſeitigen Liebe, und bat ſie auf ſeinen Knien, ihm zu öffnen umſonſt, die Thüre blieb verriegelt und nicht ein Laut der Antwort ließ ſich hören. Erſchöpft legte er ſich nieder, hoffend auf die heilende Hand der Zeit. Am folgenden Morgen erhielt er einen von Thrä⸗ nen befeuchteten Zettel, auf dem die wenigen Worte ſtanden:Ich liebe dich mit der ganzen Kraft meiner Seele, und der ganzen Welt hätte ich getrotzt, dich zu beſitzen, aber das ewige Heil kann ich nicht für dich hingeben. Unter tauſend Thränen verlaſſe ich dich; in den Mauern eines Kloſters will ich meine Liebe und meinen Schmerz begraben. Lebe wohl auf ewig! Raſend fuhr Rudolph auf und ſuchte die Entflohene; er durchſtreifte die ganze Gegend, wagte ſich ſelbſt auf das ſpaniſche Gebiet