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ihr nicht leben konnte. In dieſer Stimmung ging er zum Heer, der Menſchen und des Lebens überdrüſſig. Er focht mit jener rück⸗ ſichtsloſen Kühnheit, welche die Verachtung des Lebens einflößt; er fiel verwundet in die Hände der Glaubensſoldaten und wurde in einen Ker⸗ ker geworfen. In dem Garten, an den ſein Gefängniß ſtieß, ſah er häufig eine verſchleierte Dame luſtwandeln; wenn ſie allein war, hob ſie den Schleier ein wenig und ließ unter dem⸗ ſelben ein reizendes Geſicht erblicken; ſie ſchien an dem Kummer des armen Gefangenen An⸗ theil zu nehmen. Eines Abends flog ein Stein durch die Gitter, an dem ein Zettel befeſtigt war, worauf die Worte ſtanden:„Fremdling, bereite dich zur Flucht, Iſabelle will dich retten.“ Um Mitternacht öffnete der beſtochene Kerkermeiſter ſein Gefängniß und floh mit ihm; in einiger Entfernung fanden ſie Maulthiere, und die Unbekannte, die ihrer harrte; ſie war engelſchön, die Dankbarkeit that das Uebrige, und bald hatte ihr unſer Held ewige Liebe ge⸗ geſchworen. Durch tauſend Gefahren, über


